Weltenbummler / Osten 17.12.08
Text: Miriam Keilbach
Oder auf deutsch: Frohe Weihnachten in Kasachstan!
Während man in Deutschland oft sehnsüchtig auf weiße Weihnachten hofft, ist es in Zentralasien ganz normal, die Festtage im Schnee zu feiern. Kasachstan, im Zentrum Eurasiens, kann im Winter bis zu minus 50 Grad kalt werden.
Kasachstan ist die Heimat von Roman. Als er sechs Jahre alt war, immigrierte seine Familie nach Deutschland und lebt seither im Kreis Karlsruhe. „Ich habe Weihnachten auch schon in meinem Vaterland gefeiert. Eigentlich sind die Festtage das größte Highlight in unserem Dorf. Man freut sich das ganze Jahr auf die Weihnachtszeit, weil es Geschenke gibt. Vor allem für die Kinder ist das natürlich der Höhepunkt ", erzählt der 23-Jährige.
Temperaturen zwischen minus 30 und 40 Grad sind Alltag im kasachischen Winter, da das Klima kontinental geprägt ist. Während im Sommer bis zu 40 Grad plus gemessen werden, kehrt sich die Temperatur im Winter.
In den Großstädten ist wenig von den Stereotypen zu sehen, die in europäischen Köpfen gegenüber Kasachstan vorherrschen. Das Bild vom zurückgebliebenen Land, dessen Einwohner wie im Mittelalter leben, ohne Strom und gepflasterten Straßen. Aber Kasachstan hat sich Europa angepasst: Wie auch hierzulande werden in der Vorweihnachtszeit Häuser mit bunten Lichtern dekoriert. Auf den amerikanischen Weihnachtskitsch gibt man allerdings wenig, die Kasachen legen Wert auf andere Dinge. Zumindest im Norden des Landes.
Die Bevölkerung Kasachstans besteht zu jeweils etwa der Hälfte aus Muslimen und Christen. „Im Süden leben traditionell eher Muslime, da feiert man also kaum Weihnachten. Es ist alles etwas strenger in diesen Gebieten", weiß Roman. Im nördlichen Teil Kasachstans hingegen leben überwiegend Christen, weshalb dort die Weihnachtstraditionen ausgeprägter sind.
Die deutschen Bräuche à la Adventskranz, Adventskalender und Weihnachtsmarkt gibt es hingegen nicht. Einen Christbaum allerdings haben die christlichen Kasachen im Wohnzimmer stehen. „Ein Tannenbaum ist quasi Pflicht bei uns. Und es ist auch getreu dem Motto: Je größer desto besser." Wie auch in Deutschland werden die Bäume geschmückt und bunt dekoriert. Plätzchen zu backen zählt nicht gerade zu den Traditionen in der Vorweihnachtszeit. Vereinzelt geschieht es trotzdem, vor allem die Großmütter versorgen ihre Liebsten gerne mit Gebäck.
Weihnachten selbst wird am 24. Dezember, zu Heilig Abend, gefeiert. Die ganze Familie findet sich an diesem Abend zusammen - auch Tanten und Onkels kommen und treffen sich meist bei der Großmutter, um das Fest gemeinsam zu beginnen. Traditionelles Essen oder Getränke gibt es nicht. „Aber es gibt ein richtig großes Festessen. Weihnachten ist bei uns sehr schön und vor allem sehr familiär." Zusammen wird nicht nur gegessen, auch Lieder werden gesungen. Bekannte Weihnachtslieder sind zum Beispiel „Wlesu radilas jolotschka" (zu Deutsch: Im Wald ist eine Tanne geboren) oder „Malinkoj jolotschki cholodno simoi" (Im Winter ist der kleinen Tanne kalt).
Am Abend kommt der Weihnachtsmann, zusammen mit Knecht Ruprecht. „Daran erinnere ich mich noch genau. Ich hatte immer Angst vor ihm", erzählt Roman. Eine Helferin bringt der Weihnachtsmann für gewöhnlich auch mit: „Snegurotschka."
Bis 1991 stand Kasachstan als Teil der Sowjetunion unter dem Druck der russischen Regierung. Weihnachten musste überall gleich gefeiert werden, wie es dem Kommunismus beliebte. Nach der Unabhängigkeit wurden viele Traditionen aus der ehemaligen Sowjetunion übernommen. Noch heute besteht die Bevölkerung des Landes zu 30 Prozent aus Russen, und nur zu 54 Prozent aus Kasachen. Allgemein ist eine Generalisierung des Weihnachtsfestes im Land nur schwer möglich, weil über 50 diverse Nationalitäten in Kasachstan heimisch sind.
Obwohl Deutschland und Kasachstan etwa 6000 Kilometer trennen, unterscheiden sich die Bräuche und Traditionen zum Weihnachtsfest nur gering. Ohne den europäischen Wohlstand und den amerikanischen Kitsch geht es in Kasachstan vor allem um eins: Zusammen mit der Familie sein. In diesem Sinne: S raschdestwom i s nowin godom!
(Autorin: Miriam Keilbach / Foto: Roman Kessel)
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