Gesellschaft / Zeitgeschichte 11.03.09
Text: Robert Reiche
Chichén Itzá
Chichén Itzá bezeichnet eine von den Mayas um das Jahr 440 gegründete Stadt auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Übersetzt bedeutet der Name „Der Mund des Brunnens der Itzá", wobei mit dem Brunnen die dortige Wasserversorgung durch zwei Teiche gemeint und Itzá die Bezeichnung des Maya-Volkes ist. Auch wenn die Maya die Siedlung nach bereits 200 Jahren wieder verließen, wurde sie in den späteren Jahrhunderten immer wieder von anderen Völkern genutzt. Seit 1988 gehört Chichén Itzá zum Weltkulturerbe.
Die Ruinestätte besteht heute aus einer Vielzahl von gut erhaltenen Gebäuden und Bauwerken, deren genaue Bedeutung nur teilweise erforscht ist. Die wichtigsten erhaltenen Stätten sind das Schloss, der Kriegertempel, die Kirche, der Schneckenturm, der Ballspielplatz und der heilige Brunnen. Gemeinsam bilden sie ein mehrere Quadratkilometer großes Areal, in dem sich die frühere Stadt befunden hat. Einige Bauwerke befinden sich noch immer im unerschlossenen Dschungel.
Das Schloss, besser bekannt als Pyramide des Kukulcán, befindet sich im Zentrum der Anlage. Diese zeugt von der hervorragenden Kenntnis der Maya über Astronomie. Die Zahl der Treppenstufen beträgt nicht zufällig 365, sondern ist absichtlich wie die Zahl der Jahrestage gewählt. Auf der Spitze der 33 Meter hohen Pyramide befindet sich der wiederaufgebaute Tempel des Kukalcán, der Schlangen-Gottheit der Maya. Das Bauwerk besitzt heute noch an einer besonderen Stelle eine eindrucksvolle akustische Verstärkerfunktion, von der aus leiseste Geräusche über große Entfernungen getragen werden können. Ebenso kommt es an zwei Tagen im Jahr, zur Tagundnachtgleiche, zu einem optischen Schauspiel: Dann wird nur noch die Treppe einer Pyramidenseite von der Sonne beleuchtet und bildet dank der Stufen die Silhouette einer Schlange ab.
Von der Kultur zeugt der Ballspielplatz. Dort wurde eine anstrengende Sportart ausgetragen, bei der ein Ball ohne die Hilfe von Armen oder Beinen durch einen sechs Meter hohen Ring gespielt werden musste. Unsicher ist bis heute, ob der Mannschaftskapitän der Verlierer- oder Gewinnermannschaft nach dem Spiel geopfert wurde.
Auch die anderen Bauwerke zeugen von architektonischen Meisterleistungen. Die Gebäude wurden teilweise aus mehreren Materialschichten gebaut, was immer wieder für akustische Besonderheiten sorgt. Chichén Itzá ist die am zweitmeisten besuchte archäologische Stätte Mexikos und eines der „neuen sieben Weltwunder".
Die Chinesische Mauer
Sie ist das größte jemals von Menschen geschaffene Bauwerk. Der Baubeginn lässt sich auf das 5. Jahrhundert v. Chr. datieren, die Bauzeit zog sich bis ins 17. Jahrhundert hin. Das Ergebnis war ein knapp 6.700 Kilometer langes Bauwerk, das China vor dem Einfall mongolischer Nomadenstämme schützen sollte.
Auch wenn die Mauer als ein einziges Gesamtbauwerk gilt, so bestand sie zu Beginn nur aus wenigen Segmenten einzelner chinesischer Stämme. Diese wurden erst im Laufe der Zeit miteinander verbunden. Durch ihre Länge befinden sich die Mauerabschnitte in den unterschiedlichsten geographischen Regionen. Dabei durchquert sie steile Bergkämme, dicht bewachsene Hügel und ausgetrocknete Wüstengegenden.
Die lange Bauzeit führte dazu, dass die verschiedenen Abschnitte aus unterschiedlichen Materialien gebaut wurden. Die frühesten Teile bestehen aus mit Reis und Stroh stabilisiertem Lehm, wobei davon jedoch nur noch wenige vorhanden sind. Die neueren Abschnitte wurden aus großen massiven Steinblöcken erbaut. Hierzu zählt auch der Mauerteil knapp 70 Kilometer nordwestlich von Peking, der heute ein beliebtes Ziel für Touristen darstellt und noch sehr gut erhalten ist.
Die heutige Situation der Mauer ist kompliziert. Große Teile können nicht mehr instand gesetzt werden oder wurden bereits wegen neuer Bauvorhaben abgerissen. Auch vereinzelte Stämme entlang der Mauer benutzen deren Steine sogar, um darauf eigene Häuser und Straßen zu bauen. Allgemein ist die Mauer heute in einem schlechten Zustand. Dennoch wurde sich 1987 von der UNESCO zum Welterbe erklärt.
Christo Redentor
Die schneeweißen Sandstrände und der Zuckerhut sind die bekanntesten Wahrzeichen von Rio de Janeiro. Doch überblickt wird die Millionenmetropole von der eindrucksvollen Christo Redentor-Statue auf dem Corcovado-Berg, die sich Richtung Zuckerhut wendet.
Die Christusstatue wurde im Jahr 1931 fertig gestellt und besteht aus Stahlbeton und einer Specksteinhülle. Sie ist 30 Meter hoch und breitet ihre Arme über eine Weite von 28 Metern aus. Zudem wurde sie auf einem Sockel errichtet, der gleichzeitig eine Kapelle mit Platz für knapp 150 Menschen darstellt. Anlässlich der 75-Jahr-Feier der Statue wurde diese offiziell zu einem katholischen Wallfahrtsort erklärt.
Seit ihrer Erbauung ist die Statue ein bevorzugtes Reise- und Tourismusziel. Nicht nur die Größe und Haltung der Statue ist beeindruckend, auch die atemberaubende Aussicht von der Plattform auf die zweitgrößte Stadt Brasiliens ist ein Grund für die große Beliebtheit.
Kolosseum
Das Kolosseum in Rom ist das Vorbild für alle heutigen modernen Sportarenen. Fertiggestellt im Jahr 79 n. Chr. bot es damals bereits für 50.000 Menschen Platz, die dort die unterschiedlichsten Veranstaltungen besuchen konnten. Seinen Namen hat das Kolosseum von einer Statue des Kaisers Nero, die zu Beginn neben dem Bauwerk stand.
Bereits bei der Eröffnungsfeier wurde deutlich, zu welch vielfältigen Ereignissen das Kolosseum dienen konnte. Der gesamte Innenraum wurde mit Wasser geflutet und dort eine Seeschlacht inszeniert. Die Arena besaß einen doppelten Boden, durch den über Falltüren Menschen und Tiere von unten ins Innere gelangen konnten und auch Requisiten gewechselt werden konnten.
Doch seine Berühmtheit erlangte es durch die grausamen Tier- und Gladiatorenkämpfe, die zur Belustigung des Volkes dienten. Auch Hinrichtungen gehörten dort zur Tagesordnung. Die Tierkämpfe wurden besonders von möglichst exotischen Tieren ausgetragen. Schätzungen zufolge fanden in allen Kämpfen zusammen zwischen 300.000 und 500.000 Menschen und mehrere Millionen Tiere den Tod.
Heute gehört das Kolosseum zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Roms. Obwohl es durch zwei Erdbeben schwer beschädigt wurde, ist es heute noch gut begehbar. Es ist noch immer ein Zeugnis für die hervorragende römische Baukunst der Antike und besticht durch seine wuchtige und trotzdem elegante elliptische Form.
Außerdem wurde das Kolosseum im Jahr 1999 zum Monument gegen die Todesstrafe erklärt. Verdeutlicht wird dies durch eine besondere Aktion: jedes Mal wenn auf der Welt eine Todesstrafe ausgesetzt wird oder ein Staat die Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum für 48 Stunden durch bunte Farbstrahler beleuchtet.
(Text: Robert Reiche / Fotos v.l.n.r.: Denise Kotulla, eckwe/PIXELIO, helga/PIXELIO, Daniel Bucurescu/PIXELIO www.pixelio.de)
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