Gesellschaft / Zeitgeschichte 11.03.09
Text: Martin Busch
Eines der ältesten sieben Weltwunder
Der Koloss von Rhodos war eine 30m hohe monumentale Bronzestatue die den griechischen Sonnengott Helios darstellte. Diese Statue befand sich in Rhodos, welches die Hauptstadt der gleichnamigen Insel ist. Durch die Größe und Mächtigkeit dieser Statue gehörte sie schon in der Antike zu den sieben Weltwundern.
Der Begriff „Koloss" wurde von „Kolossòs" abgeleitet, womit man Statuen beliebiger Größe bezeichnete. Da aber der (wie er ursprünglich hieß) Helios von Rhodos auch als Koloss bezeichnet wurde, setze sich der Begriff Koloss von Rhodos spätestens in der Zeit der Römer durch, und hat diesen bis heute behalten.
Im Jahre 305 v. Chr. bewahrte der Gott Helios (Griechisch: Sonne) die Rhodier vor der Übernahme durch König Demetrios von Phrygien und Lykien. Nach langer aber erfolgloser Belagerung der Insel ließ König Demetrius einen etwa 30m hohen Belagerungsturm mit neun Stockwerken und ausgerüstet mit Katapulten und Rammböcken bauen. Dieser trug den Namen Helepolis (altgriech.: Stadtzerstörerin). Da die Rhodier diesem nichts entgegensetzen konnten und dem Bau tatenlos zusehen mussten, beschworen sie ihren Sonnengott Helios sie zu retten. Im Gegenzug wurde dem Sonnengott eine Statue nur ihm zu Ehren versprochen. Laut Legende habe dieser die Rhodier angewiesen einen versteckten Graben zwischen Stadtmauer und Belagerungsturm zu ziehen. Am nächsten Tag rückte der Turm voran und stürzte in den Graben und fiel um. Aufgrund dieser Niederlage entschied sich Demetrios die Belagerung der Stadt aufzugeben und alle Truppen abzuziehen und die Belagerungsgeräte vor Ort zu lassen. Die Erlöse aus dem Verkauf der Belagerungsgeräte (300 Talente Silber = 7880 kg) wurden für die Errichtung der Statue verwendet.
Eindeutig belegt ist, dass der Koloss von Rhodos aus gegossener Bronze bestand und die Leitung des Baus Chares von Lindos anvertraut wurde. Dieser schaffte es in 12 Jahren die 70 Ellen (etwa 30 - 35 m, kein exaktes Ellenmaß überliefert) hohe Statue fertigzustellen. Welche Gusstechnik die Rhodier verwendeten ist bis heute noch nicht ganz klar. Aufgrund einiger neueren Funde vermutet man jedoch, dass die Statue in großen Einzelteilen in der Nähe des Standortes gegossen wurde.
Die Existenz des Koloss von Rhodos ist unter Wissenschaftlern allgemein nachgewiesen, obwohl es kein einziges Fundstück gibt. Allerdings haben viele Schreiber der Antike unabhängig voneinander über die Statue berichtet, so dass es keinen Zweifel für die Existenz geben kann. Der Ort an dem er gestanden haben soll ist allerdings völlig unklar, was daran liegen könnte, dass dieses Monument für die antiken Schreiber
selbstverständlich war. Allerdings kann man ihn sich aus dem historischen Hintergrund ganz gut herleiten: Da der Koloss ein monumentales Weihgeschenk ist, kann er nur im Heiligtum des Stadtstaates Rhodos, dem Helios-Heiligtum, gestanden haben. Das war damals so üblich, und ist auch von anderen Heiligtümern der griechischen Antike überliefert. Die Wissenschaftler streiten sich aber noch, wo genau sich dieser Ort befand.
In mittelalterlichen Darstellungen wird der Koloss von Rhodos breitbeinig über der Hafeneinfahrt stehend dargestellt und hatte die Gestalt eines nackten jungen Mannes mit blonden Locken und einem Strahlenkranz. Sein Kopf war höchstwahrscheinlich dem auf den Münzen geprägten Kopf sehr ähnlich die seit dem späten 5. Jahrhundert v. Chr. hergestellt wurden. Eine antike Beschreibung oder Abbildung gibt es jedoch nicht.
Lange stand der Koloss von Rhodos allerdings nicht. Ein nachgewiesenes Erdbeben im Jahre 227 v. Chr. brachte große Zerstörung in die Stadt und macht auch vor dem Koloss nicht Halt. Man sagt „er sei in den Knien eingeknickt". Aus vielen Gebieten des damaligen
Griechenlands wurden den Rhodiern finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt um den Koloss wieder aufzubauen. Dennoch wollten diese die Zuwendungen nicht haben, denn man sagte es hätte ein Orakel gegeben das besagte: „Was gut liegt, das soll man nicht von der Stelle bewegen." Also wurde die Statue nie wieder aufgerichtet. Vermutlich konnte man die Trümmer des Koloss von Rhodos noch etwa 890 Jahre nach dem Einsturz bewundern. Dass man sie heute nicht mehr sieht könnte daran liegen, dass im Jahr 654 nach Chr. die Araber unter Muawiya kurzzeitig die Insel eroberten und die Teile der Statue in den Orient brachten, wo ein jüdischer Händler diese verkauft hat. Man sagt er habe die Statue auf 900(!!) Kamelen abtransportiert.
In der Entwicklung der Geschichte ranken sich viele verschiedene Vorstellungen und Deutungen um den Koloss von Rhodos. In der Renaissance war das Bild des breitbeinig stehenden Kolosses weit verbreitet. Man erzählte Pilgern vom Koloss von Rhodos und das
dieser einen Fuß auf der St.-Nikolaus-Mole gehabt hat und den anderen auf der Mühlen-Mole und es hätten Schiffe aller Größen durch gepasst. Wenn man dieser Legende glauben sollte, so müsste der Koloss einen Schritt von 750 (!!) Metern gemacht haben.
Das der Koloss von Rhodos eine große Statue war ist kein Zweifel, jedoch eine Statue mit einer Schrittlänge von 750 Metern ist schlicht unrealistisch. Dennoch verdanken wir dem Koloss von Rhodos heute das Wort „kolossal". Hätte es ihn nicht gegeben, würden wir dieses Wort wahrscheinlich im Sinne von „gewöhnlich" benutzen.
(Text: Martin Busch / Foto: Konrad Welzel)
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