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Gesellschaft / Zeitgeschichte 11.03.09

Die Hängenden Gärten der Semiramis

Text: Martin Busch

Eines der unbekanntesten Weltwunder
Das rätselhafteste und deshalb wahrscheinlich auch am wenigsten bekannte antike Weltwunder ist der hängende Garten der Semiramis. Das liegt daran, dass es keine Quellen von Schreibern gibt, die den intakten und existierenden Garten je gesehen haben.


Die um 400 v. Chr. entstandenen Beschreibungen, wie etwa von Berossos (* etwa 350 v. Chr.) oder Ktesias von Knidos sind nicht mehr erhalten und wurden von nachfolgenden römischen Schreibern lediglich zitiert. Einige weitere Hinweise geben noch die Schriften von Philon von Byzanz, Diodorus Siculus und Strabon, welche in der Zeit von ca. 250 - 50 v. Chr. lebten. Demnach müssten die Gärten ungefähr 100 v. Chr. bereits zerstört gewesen sein, als die Einwohner Babylons ihre Stadt verließen. Es wird sogar spekuliert dass die Gärten niemals existiert haben, da beispielsweise der Geschichtsschreiber Herodot (484 - 424 v. Chr.) diese nicht erwähnt hat.
Zwei Fehler, die sich in der Zeit entwickelt haben, können heute definitiv nachgewiesen werden. Zum einen gibt es einen Übersetzungsfehler aus dem Griechischen. Dort wurde fälschlicherweise „Hängende Gärten" übersetzt. Besser wäre die Übersetzung „Dachgarten auf Terrassen" gewesen, was zu der Beschreibung der damaligen Geschichtsschreiber am Besten gepasst hätte. Ein weiterer Fehler in der Geschichte ist, dass der Garten nicht Königin Semiramis zugeschrieben werden kann, sondern Nebukadnezar II. (605 - 582 v. Chr.), der etwa 200 Jahre später König war. Der Legende zufolge schenkte Nebukadnezar II. seiner persischen Frau Amyitis diese Anlage, um ihr ein Stück ihrer landschaftlich grünen Heimat nach Babylon zu holen, da dort trockenes Wüstenklima herrschte. Nebukadnezar II. war bekannt für seine vielen Neubauten und baulichen Veränderungen in Babylon in seiner Herrscherzeit, was diese Legende sehr wahrscheinlich macht.

Die Hängenden Gärten der Semiramis könnten demnach eine aufwendige Gartenanlage im damaligen Babylon am Euphrat (im heutigen Irak) gewesen sein. Den antiken Geschichtsschreibern zufolge könnten die Gärten neben oder auf dem Palast gelegen haben, und eine quadratische Form mit einer Seitenlänge von 120 m gebildet haben. Die Terrassen erreichten dabei eine Höhe von ca. 25 - 30 m, und waren überwiegend aus Brandziegeln gebaut. Unter diesen Terrassen sollen sich Gänge befunden haben und die einzelnen Böden bestanden aus mehreren Schichten, um ein Durchdringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Man vermutet, dass die Bewässerung der Gartenanlage durch den nahegelegenen Euphrat möglich gewesen wäre.
Archäologen lokalisierten die Gärten an verschiedenen Orten. Der deutsche Archäologe Robert Koldewey fand bei seinen Ausgrabungen neben verschiedenen babylonischen Monumenten (Ishartor mit der prächtigen Prozessionsstraße, Grundmauern des Turms zu Babylon) auch zwei Paläste, welche Nebukadnezar II. zugeordnet werden konnten. Der Palast nahe des Ishar-Tores könnte der Garten der Semiramis gewesen sein. Gefundene Gewölbe, Tonscherben und Brunnenanlagen waren für einen Palast damals ungewöhnlich, jedoch für einen Garten notwendig. Allerdings hatte der von Koldewey gefundene Palast nur eine Seitenlänge von 45 m und lag nicht am Fuße des Euphrats. Dies lässt vermuten, dass es sich dabei nicht um die Hängenden Gärten der Semiramis handelt, denn in verschiedenen Quellen wurde der Tempel wie im oberen Absatz beschrieben. Vielen Wissenschaftlern ist außerdem diese geringe Größe eines Weltwunders unwürdig.

Es gibt jedoch auch Theorien über die Nichtexistenz der Gärten. Eine interessante Theorie ist dabei die von Professor Kai Brodersen. Er ist der Meinung, dass es bei Nebukadnezar einen unzugänglichen Garten gab, und sich Autoren und Schreiber im Laufe der Zeit immer neuere und fantastischere Beschreibungen ausgedacht haben, die nur in der Phantasie der Autoren existierte. Brodersen gibt als Beleg an, dass die Gärten noch nie genau und eindeutig lokalisiert worden sind, und das die Bewässerungsformen zur Zeit noch nicht weit genug entwickelt waren um einen solchen Garten zu erhalten. Da die Lage im Irak nach wie vor politisch angespannt ist, wird es noch einige Jahre
dauern eh man neue Erkenntnisse über die Hängenden Gärten der Semiramis finden wird, um Mythen und Legenden in Tatsachen zu verwandeln.

(Text: Martin Busch)

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