back view Schrift

Politik / Europa 02.06.09

"Europa muss demokratischer werden"

Text: Konrad Welzel

tt_back_viewbv_kreuzverhr_Parteien im Kreuzverhör: CDU
Daniel Caspary ist seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments. Auch 2009 wurde er auf der Landesliste von Baden-Württemberg auf Listenplatz zwei gesetzt. Der 33-Jährige gilt als einer der ersten deutschen Politiker, die das Internet und soziale Netzwerke nutzen, um den Kontakt zu den Bürgern zu finden.


back view: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Schwachstellen in der Europäischen Union?
Daniel Caspary:
Die größten Schwachstellen der EU sehe ich in der fehlenden Transparenz und in der Unübersichtlichkeit. Europa muss demokratischer werden. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre daher der Lissabon-Vertrag.

bv_daniel_casparyWo sehen Sie die EU in 20 Jahren?
Die EU sehe ich in 20 Jahren als starke Staatengemeinschaft mit einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, die jedoch das Subsidiaritätsprinzip einhält. Das bedeutet, dass die  Entscheidungen wenn immer möglich dort getroffen werden, wo die Menschen leben und arbeiten: in unseren Städten und Gemeinden.

Verliert die Gemeinschaft bei Diskussionen wie über einen Türkeibeitritt an Vertrauen?
Nein, das glaube ich nicht. Meiner Meinung nach lebt die Demokratie von sachlicher und gut argumentierter Diskussion. Das brauchen wir um alle Wege und Möglichkeiten zu beleuchten. Trotzdem sehe ich die weiteren Erweiterungsbestrebungen mancher Parteien sehr kritisch. Dies ist der EU weder kulturell, finanziell, noch gesellschaftlich zuzumuten. Daher vertrete ich auch die Position einer Privilegierten Partnerschaft mit der Türkei.

Nennen Sie drei Schlagworte, die Europa für Sie ausmachen.
Frieden, Beschäftigung und sozialen Wohlstand


Ende letzten Jahres sind Sie in Mumbai selbst knapp einem Terroranschlag entgangen. Sind es diese persönlichen Erfahrungen von Angst, die der friedensverwöhnten jungen Generation heute fehlt, um Europa wertschätzen zu können?
Vielen Bürgern ist heute nicht mehr bewusst, dass wir in der längsten Friedensperiode Europas seit den Römern leben. Das unsere Großeltern vor 60 Jahren noch in Krieg und Armut lebten und teilweise zwei Weltkriege miterleben mussten. Das muss den Menschen immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden.
Doch die Anschläge in Mumbai haben mir gezeigt, dass man vor dem Terrorismus auch in Deutschland nicht sicher ist. Hier darf die Politik nicht die Augen verschließen, sondern muss sich an die neuen Gefahren anpassen.

Sie nutzen so ziemlich jede Möglichkeit, mit den neuen Medien Kontakt zu den Bürgern aufzunehmen. Ob Twitter, Facebook, studiVZ, Xing oder YouTube - Sie sind aktiv mit eigenen Profilen vertreten. Wie kommt das bei den Deutschen an?
Mein Online-Wahlkampf wird generell sehr positiv aufgenommen. In den Netzwerken bekomme ich viel Rückmeldung für meinen Internet- Auftritt und mein Engagement. Heutzutage ist das Internet das Beste, wenn nicht einzige, Medium um jungen Menschen Politik zu vermitteln und auf meine Arbeit aufmerksam zu machen. Da muss man sich den Zeiten anpassen. Für meinen Wahlkampf verfolge ich daher ein neues Konzept. Über alle Termine und Veranstaltungen wird man live und in Farbe auf Facebook und Twitter auf dem Laufenden gehalten. Auf meiner Homepage gibt es dazu alle Termine und die Wahlkampfroute.

Eine Wahlbeteiligung von 33 Prozent bei jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren bei der Europawahl 2004 zeigt, dass sich vor allem die Jugend weiter von der europäischen Politik entfernt. Sie setzen sich dafür ein, Europa bereits in der Grundschule verstärkt zu einem Thema zu machen - ist das die Lösung?
Ich denke schon. Die Bürger reagieren oft mit Desinteresse, wenn ein Thema zu komplex und für sie zu weit entfernt ist. Eine frühe Auseinandersetzung mit Europa und den Nachbarländern, das Erlernen von Sprachen und Auslandsaufenthalte schaffen meiner Meinung nach mehr Interesse für Europa und dessen Institutionen. Daher finde ich es wichtig, dass sich Kinder schon früh mit Europa auseinandersetzen.

Kein Initiativrecht für Gesetze, Demkratiedefizit und Bürokratieüberschuss - das sind nur wenige Vorwürfe, die sich gegen das Europäische Parlament richten. Was macht die Arbeit für Sie dennoch reizvoll?
Die Arbeit im Europäischen Parlament unterscheidet sich grundsätzlich von der Arbeit im Bundestag. Zum einen reizt mich das Phänomen Europa. Dieser Zusammenschluss von Staaten ist einmalig in der Welt. Zum zweiten ist die Arbeit im EP frei von Fraktionszwängen und daher viel fachlicher und themenbezogener. Ich kann so entscheiden wie ich es für richtig halte und nicht weil es mein Fraktionsvorsitzender für richtig hält. Daher ist das Europäische Parlament für mich das demokratischste Parlament weltweit.

Was ist Ihr Appell an die Wähler?
Geht wählen! Wir haben zum Glück die Qual der Wahl und nicht die Qual der Diktatur.


Herr Caspary, vielen Dank für das Interview.

Weitere Informationen zu Daniel Caspary unter www.caspary.de


(Text: Konrad Welzel / Foto: Daniel Caspary)

Kommentare

B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
bleibt in kontakt mit back view

google-logo-plus-0fbe8f0119f4a902429a5991af5db563
meinvztwitter_

Titelthema Archiv

16. Mai 2012
noch offen
02. Mai 2012
18. April 2012
04. April 2012
21. März 2012
07. März 2012
22. Februar 2012
08. Februar 2012
25. Januar 2012
11. Januar2012
28. Dezember 2011
14. Dezember 2011
Das Jahr 2011
30. November 2011
16. November 2011
02. November 2011
Tag des Mannes
19. Oktober 2011
05. Oktober 2011
21. September 2011
07. September 2011
24. August 2011
10. August 2011
27. Juli 2011
13. Juli 2011
29. Juni 2011
15. Juni 2011
01. Juni 2011
18. Mai 2011

04. Mai 2011
Olympia 2018 in München

20. April 2011
Soziales Netzwerken

06. April 2011
Studierende und ihre Probleme

23. März 2011
Deutschland im Wahlfieber

09. März 2011
Müll dieser Welt

23. Februar 2011
Wir lieben, was ihr hasst!

09. Februar 2011
Arabische Welt in Aufruhr

26. Januar 2011
Hungersnot

12. Januar 2011
Die reformierte Bundeswehr

29. Dezember 2010
Jahresrückblick

15. Dezember 2010
Weihnachtsspecial

01. Dezember 2010
Sinn des Lebens

17. November 2010
Castortransporte

03. November 2010
Generation Praktikum

20. Oktober 2010
Stigmata der Jugend

06. Oktober 2010
Aufbruch ins Studium

22. September 2010
9 / 11

08. September 2010
200 Jahre Oktoberfest

25. August 2010
Armut

11. August 2010
Geschlechterrollen

28. Juli 2010
Dinge

14. Juli 2010
Rauchen

30. Juni 2010
Freizeitpark-Test

16. Juni 2010
Bundespräsidentenwahl

02. Juni 2010
Fußball-WM in Südafrika

19. Mai 2010
Raum & Identität

05. Mai 2010
Russland

21. April 2010
Organisierte Kriminalität

07. April 2010
Wandel des Klimas

24. März 2010
Krise unterm Kreuz?

10. März 2010
Liebe 2.0

24. Februar 2010
Junge Verlage

10. Februar 2010
Olympia in Vancouver

27. Januar 2010
Kinder dieser Welt

13. Januar 2010
Geheimbünde

30. Dezember 2009
Jahresrückblick

06. November 2009
Weihnachtsspecial

02. Dezember 2009
Über das Altwerden

08. November 2009
Krieg

04. November 2009
20 Jahre Mauerfall

21. Oktober 2009
Atomenergie

07. Oktober 2009
Mythos oder Wahrheit?

23. September 2009
Bundestagswahl 2009

09. September 2009
Fälschungen

26. August 2009
Soziales Deutschland?

12. August 2009
Stars von morgen

29. Juli 2009
Sieht so unsere Zukunft aus?

15. Juli 2009
40 Jahre Mondlandung

01. Juli 2009
Endstation Bildung

17. Juni 2009
Sexualität

03. Juni 2009
Europawahl

20. Mai 2009
60 Jahre Bundesrepublik

06. Mai 2009
Kindersoldaten

22. April 2009
Umweltverschmutzung

08. April 2009
Nichtregierungsorganisationen

25. März 2009
Ureinwohner dieser Welt

11. März 2009
Die Weltwunder

18. Februar 2009
Fastnacht

04. Februar 2009
Die Deutsche Bundeswehr

21. Januar 2009
Das Afrika der Gegenwart

31. Dezember 2008
Der große Jahresrückblick

17. Dezember 2008
Weihnachten in ...

03. Dezember 2008
AIDS

19. November 2008
Psychische Volkskrankheiten

05. November 2008
Präsidentschaftswahl USA

22. Oktober 2008
Politischer Extremismus

08. Oktober 2008
Jugend am Abgrund

24. September 2008
Social Networking

10. September 2008
Krisenregionen

27. August 2008
Organspende

13. August 2008
Erneuerbare Energien

30. Juli 2008
Olympia in Peking

16. Juli 2008
Die Pressefreiheit

02. Juli 2008
Der Tod

18. Juni 2008
Bachelor vs. Diplom

04. Juni 2008
Fußball-EM

21. Mai 2008
Homosexualität

07. Mai 2008
Folgen des NS-Regimes

23. April 2008
WWW wird 15

09. April 2008
Tibet

26. März 2008
Obdachlosigkeit

12. März 2008
US-Vorwahlen

27. Februar 2008
Unser Gehirn

13. Februar 2008
Die Sekte

15. Januar 2008
68er... und dann?

© 2007-2012 back view