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Gesellschaft / Zeitgeschichte 07.09.10

O'zapft is! 200 Jahre Oktoberfest - ein Überblick

Text: Jaqueline Stöppel

tt_back_viewWas man über das Oktoberfest wissen sollte
Der Countdown läuft. Bis zum Start des 177. Münchner Oktoberfests, sind es nur noch wenige Tage. Am 18. September heißt es wieder „O'zapft is!‟. Da drängen sich zwei Fragen auf: Wie ist das Oktoberfest entstanden und wie läuft es heute ab?


Begeben wir uns doch ganz an den Anfang. Wie genau kam es eigentlich zur Einführung des Oktoberfestes? Man könnte jetzt schnell vermuten, dass nur ein König oder ein Kaiser auf so eine Idee gekommen sein können. Ganz so war es allerdings nicht.

Ein einfacher bürgerlicher Unteroffizier, Mitglied der bayerischen Nationalgarde, war es, der vorschlug, die Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Hildburghausen mit einem großen Pferderennen zu feiern. Am 17. Oktober 1810 war es soweit: Das erste Pferderennen und damit der Vorläufer zum Oktoberfest stieg auf der Theresienwiese (die Wiese wurde natürlich nach der Braut benannt).

Im Jahr darauf entschied man sich dafür, das Fest zu wiederholen. Diesmal hatte allerdings der „Landwirtschaftliche Verein in Bayern" die Leitung, der das Fest gleichzeitig als Werbung für die landwirtschaftliche Arbeit nutzte. Im Laufe der Jahre wurde das Fest immer privat finanziert, bis sich schließlich 1819 die Münchner Stadtväter vornahmen, die Organisation auszurichten und entschieden, dass das Oktoberfest künftig jedes Jahr und ohne Ausnahme gefeiert werden solle.

Ganz geglückt ist dies jedoch nicht, denn während der vergangenen Jahrzehnte ist das Volksfest 24 Mal aufgrund von Kriegen, Cholera-Epidemien und Hyperinflation in den 1920er Jahren ausgefallen. Deshalb wird es in diesem Jahr, auch wenn es schon 200 Jahre besteht, erst zum 177. Mal stattfinden.

Thomas Wimmer, Oberbürgermeister der Stadt München von 1948 bis 1960, führte im Jahr 1950 eine zusätzliche Tradition ein, an der auch bis heute noch festgehalten wird. Pünktlich um zwölf Uhr am 16. September 1950, eröffnete er mit dem Anzapfen des ersten Bierfasses das Fest. Seither hat sich kein Oberbürgermeister mehr diese Ehre nehmen lassen.

Deshalb wird am Samstag, 18.09.2010, Christian Ude, derzeitiger Oberbürgermeister der Stadt München, um Punkt zwölf Uhr mit so wenigen Schlägen wie möglich traditionsgemäß das erste Fass anzapfen, so dass es wieder heißt "O'zapft is!". Wie immer findet der Anstich im Festzelt der Festwirte Peter und Christian Schottenhamel statt.

Danach können sich die Gäste entweder in einem von den 14 Großzelten niederlassen oder sie machen es sich bei einem von den anderen insgesamt 21 gastronomischen Wiesn-Betrieben gemütlich. Wer sicher sein möchte, dass er einen Sitzplatz in einem der Zelte erhält, der sollte auf jeden Fall vorher einen Tisch reservieren.

Hat man schließlich einen der begehrten Plätze ergattert, sollte man diesen auch nicht unbedingt verlassen, denn aus feuerpolizeilichen Gründen müssen die Festzelte ab einer bestimmten Besucherzahl ihre Türen schließen und weitere Gäste abweisen. Für die, die nicht reservieren wollen, gilt: Früh da sein - vor allem wenn man in der Gruppe unterwegs ist, d. h. Werktags vor 14.30 Uhr und am Wochenende vor 11.00 Uhr. Der Eintritt zum Oktoberfest so wie der Einlass in die Zelte ist natürlich kostenlos.

Zum 200. Jubiläum des Oktoberfests wurde auf dem Südteil der Theresienwiese eine historische „Wiesn‟ mit einem umfangreichen Programm organisiert, die an alte Oktoberfestzeiten erinnern soll. Unter anderem findet man dort ein historisches Festzelt im traditionellen Stil, ein Kulturzelt, das für Unterhaltung sorgt, sowie historische Karusselle und tägliche Pferderennen. Der Eintritt auf das Gelände kostet vier Euro. Das Maß Bier kostet auf dem gesamten „Wiesngelände‟ zwischen 8,30 und 8,90 Euro.

Wem das zu teuer ist, der sollte bedenken, dass es anfangs auf dem Oktoberfest gar kein Bier gab! Erst einige Jahre, nachdem das Oktoberfest inzwischen regelmäßig gefeiert wurde, genehmigte die Stadtverwaltung den Verkauf von Bier auf der Theresienwiese. Ein Oktoberfest ohne Bier? Anfangs war dies vollkommen normal- aus heutiger Sicht aber undenkbar!

(Text: Jacqueline Stöppel)

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