Sport / Fußball 10.05.10
Text: Sandra Schlechter
Bundesliga-Finale: Erster gegen Letzten
Mit drei Punkten Vorsprung und einer Tordifferenz von 17 im Duell mit dem Tabellenzweiten FC Schalke 04 war die Meisterschaft die Bayern eigentlich schon am 33. Spieltag sicher. Ebenso stand der Abstieg für Hertha auch schon vor dem letzten Spieltag fest. Für beide war in dem letzten Spiel der Saison also nichts mehr zu verlieren oder zu gewinnen. Doch die Fans ließen sich davon wenig beeindrucken. Lange vor Spielbeginn herrschte buntes Treiben um das Olympiastadion in Berlin. Fangesänge, Oden an den FC Bayern, Sprechchöre- alles was die Fußball-Fankultur eben beinhaltet- sorgten für die richtige Atmosphäre zum Zelebrieren des 22. Meistertitels.
Im ausverkauften Stadion dominierte während der Partie ebenfalls der Freudentaumel der Bayern-Fans, aber hauptsächlich, weil die Hertha-Fans ihre Mannschaft mit Schweigen bestrafte. Das ist immerhin besser als das Auspfeiffen während der vorigen Begegnungen. Auch das einzige Tor der Hertha zum 1:3 Endstand wurde nicht bejubelt. Die Hertha-Fans versuchten sich auf ihre Weise damit abzufinden, dass sie in der nächsten Saison nicht mehr in der ersten Liga spielen werden.
Erstaunlich war jedoch, dass sich die Stimmung zwischen den beiden Fanparteien als unglaublich nett, teilweise sogar als freundschaftlich bezeichnen lässt, was die Massen an Stewards, wie die Ordner in Berlin genannt werden, überflüssig erscheinen ließ. Die Bayern-Fans drückten ihr Beileid darüber aus, dass Berlin als Hauptstadt jetzt ohne einen Erstligisten dasteht. Und viele Hertha-Fans freuten sich mit dem FC Bayern über die Meisterschaft - hauptsächlich, weil Schalke diese Freude damit mal wieder verwehrt wurde. In diesem Punkt waren sich beide Clubs einig.
Eine gebührende Verabschiedung von Hertha BSC ging leider unter und fand nicht wirklich statt. Sie wurden übergangen, denn der Fokus lag stattdessen auf der Meisterschaftsfeier. Stundenlang verteilten die Bayern Maß-Bierduschen, tanzten ausgelassen mit der Schale und drehten zahlreiche Runden durch das Stadion: sehr zur Freude der mitgereisten Bayern-Fans. Auch, nachdem sich die Mannschaft in die Katakomben zurückgezogen hatte, war das Olympiastadion noch bis in die Abendstunden gefüllt. Noch bis zum frühen Morgen war die Innenstadt mit Fans gefüllt. Zu späterer Stunde verlegten die Fans die Party in die Innenstadt von Berlin. Auch dort verlief, genauso wie zuvor im Stadion, alles friedlich.
Für die Bayern-Fans war dies wohl ein perfektes Saisonfinale, denn ihre Mannschaft hielt am Ende stolz die Meisterschaftsschale hoch. Für die Hertha-Fans auf der anderen Seite war es das krasse Gegenteil: Es war das letzte Mal, dass sie ihre Mannschaft in der Ersten Bundesliga spielen sahen, zumindest bis zur Saison 2011/2012. Einig ist man sich in der Hoffnung, dass unsere Hauptstadt dann wieder einen erstklassigen Verein hat.
(Text: Sandra Schlechter)
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