Sport / Handball 06.06.10
Text: Carolin Schmitt
Kiel gewinnt Meisterschaft und Champions LeagueErstmals wurde in der Champions League ein Final Four ausgetragen: Halbfinale und Finale an einem Wochenende. Dafür wurde die Lanxess-Arena in Köln gewählt. In einer zunächst recht ausgeglichenen Partie mit dem Champions-League-Sieger der vergangenen beiden Jahre, Ciudad Real, ging es um den Einzug ins Finale.
Nach einem zwischenzeitlichen Rückstand von vier Toren (16:20) mobilisierten die Kieler noch einmal alle Kräfte und konnten schließlich durch einen 29:27 Erfolg zum ersten Mal in der Geschichte der EHF in das Final-Four-Finale einziehen. Zuvor sicherte sich der FC Barcelona gegen Chekhovskie Medvedi (Moskau) den Finaleinzug.
Am vergangenen Sonntag kam es vor 19.000 Fans zum Showdown. Barcelona wirkte frischer, dem THW fehlte vor allem in der Abwehr die nötige Spritzigkeit. So war es auch nicht verwunderlich, dass es zur Halbzeit bereits 20:17 für Barcelona hieß. Doch der THW wäre nicht der THW, wenn sie sich in dieser Situation schon aufgegeben hätten.
In unnachahmlicher Manier bäumten sich die „Zebras" noch einmal auf, angepeitscht von den vielen tausenden mitgereisten Kieler Fans schafften sie schließlich in der 52. Minute den Ausgleich durch einen Stemmwurf von Christian Zeitz.
Zu diesem Zeitpunkt hielt es bereits niemand mehr auf den Sitzen. Die Katalanen waren sichtlich geschockt von der puren Willenskraft, die sich ihnen nun in den Weg stellte. Der Angriff der Spanier wurde ungenau, selbst Juanin Garcia, der sonst so sichere Siebenmeterschütze, scheiterte plötzlich am im stärker werdenden Omeyer im Kieler Tor.
Der Schlussmann war es, der sein Team im Spiel hielt. Selbst die unhaltbaren konnte der Franzose entschärfen und damit so manch einen Fehlwurf aus dem Kieler Angriff wettmachen.
Die Zeit lief plötzlich für den THW. Als die Fans die Sekunden zählten, war das Spiel schon entschieden. 36:34 gewann der THW schließlich ein an Dramatik kaum zu übertreffendes Finale vor atemberaubender Kulisse in der Lanxess-Arena. Der neu designte Pokal in Form eines durchlöcherten Armes mit einer massiven Kugel in der Hand, wurde extra für diesen Event angefertigt.
Der THW Kiel geht somit als erster Gewinner des Champions League Final Fours in die Handballgeschichte ein. Linksaußen Dominik Klein sah das Ganze eher pragmatisch und bemerkte „Da kann man ja gar kein Bier draus trinken!"
Zumindest dieses Problem haben die Hanseaten von der Elbe nicht. Der DHB-Pokal eignet sich hervorragend als überdimensionaler Bierkrug. Der HSV Handball spielte die bislang beste Saison seiner noch jungen Vereinsgeschichte und doch reichte es am Ende „nur" für Platz zwei in der Bundesliga.
Das hinderte etwa 200 treue Fans jedoch nicht daran, am letzten Spieltag in den tiefsten Süden der Republik zu reisen, um die Mannschaft beim letzten Saisonspiel gegen den HBW Balingen-Weilstetten noch einmal kräftig zu feiern.
Die theoretische Chance auf einen Ausrutscher von Kiel beim TV Großwallstadt hatte wohl jeder der blau-weißen Fans irgendwo im Hinterkopf, doch am Ende hieß es 27:24 für den THW und 35:25 für den HSV. Damit war der HSV ein weiteres Mal „Vizemeister". Zumindest einen weiteren Titel zusätzlich zum DFB-Pokal konnte der HSV aus dieser Saison noch mitnehmen. Mit 257 Toren setzte sich Hans Lindberg die Torschützenkrone aus.
Dabei sah es für den HSV in der vergangenen Saison sehr lange nach einer Meisterschaft aus. Der THW schwächelte, ließ Punkte liegen und der HSV behauptete sich an der Spitze. Erst am Pfingstwochenende entschied sich die Meisterschaft im Spitzenduell HSV gegen Kiel. Die Kieler siegten in einem knappen und dramatischen Spiel am Ende mit einem Tor Differenz und gaben die Tabellenspitze auch in den kommenden beiden Bundesligaspielen nicht mehr ab.
Eines ist sicher: mit einer Meisterschaft die nur mit einem Punkt entschieden wurde, einem deutschen Champions League (THW Kiel), dem Sieg im EHF-Pokal (TBV Lemgo) und dem EHF Pokalsieger-Cup Sieger (VFL Gummersbach) sowie einem unvergessenen Pokalsieg des HSV nach Verlängerung gegen die Rhein-Neckar Löwen geht eine grandiose Saison 2009/2010 zu Ende. Hoffen wir, dass die nächste Saison ebenso spannend wie erfolgreich wird.
(Text und Fotos: Carolin Schmitt)
|
titelthema |
Kommentare