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Sport 20.10.09

"Great Button" is the champion

Text: Franziska Herr

jensonbuttonJenson Button ist neuer Formel 1-Weltmeister
Lange Zeit schien Jenson Button seinem Ruf als ewiges Talent mehr als gerecht zu werden. Wenn der Name des Briten in den Medien auftauchte, so geschah dies meist aufgrund diverser Unfälle, Pech mit den Arbeitgebern, ausschweifender Partys oder Frauengeschichten. Seine Resultate in der Formel 1 ließen dagegen nur selten aufhorchen. Jetzt ist Button Weltmeister.

Zehn Jahre nach seinem ersten Punktgewinn beim Großen Preis von Brasilien erlebt Jenson Button mit 29 Jahren den Höhepunkt seiner Karriere: Am vergangenen Sonntag sicherte sich der Brite mit seinem 5. Platz in Rio de Janeiro im vorletzten Rennen der Saison den Weltmeistertitel.

Hätte jemand vor dieser Saison verkündet, Jenson Button würde allen anderen Fahrern mit dem neu gegründeten Brawn-Team davonfahren und am Ende sogar den Weltmeistertitel gewinnen, hätte ihn die Öffentlichkeit wohl für verrückt erklärt. Sechzehn Rennen später müssen auch Buttons ärgste Kritiker neidlos die Leistung des englischen Piloten anerkennen. Dem furiosen Saisonauftakt im australischen Melbourne ließ „Great Button", wie ihn die Medien in Anspielung auf seine Heimat Great Britain nennen, fünf weitere Siege sowie einen dritten Platz folgen. Die Dominanz des mit einem Mercedes-Motor ausgestatteten Brawn-Boliden schien überwältigend. In der zweiten Saisonhälfte konnte Button nur noch einen zweiten Platz im Großen Preis von Italien für sich verbuchen, bewegte sich ansonsten konstant zwischen dem fünften und achten Platz. Sein Vorsprung in der Fahrerwertung schmolz und Teamkollege Rubens Barrichello sowie Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel holten auf. Da Button aber stets punkten konnte, gelang es den Konkurrenten nicht, Button noch abzufangen. Dies ist nicht zuletzt auch der Zuverlässigkeit des Brawn BGP001 zu verdanken. In sechzehn Rennen gab es keinen technisch bedingten Ausfall. Lediglich den Grand Prix im belgischen Spa musste Button nach einer Kollision mit Romain Grosjean vorzeitig beenden. Somit steht der sympathische Brite nach sechzehn von siebzehn Rennen als neuer Weltmeister fest.

Fest steht auch, dass Jenson Button es in seiner Formel-1-Karriere nicht leicht hatte. Immer wieder gab es Probleme und Reibereien, manche selbst verschuldet, in anderen Fällen war Button Opfer der jeweiligen Umstände. Vor allem in der Wahl seiner Arbeitgeber bewies Button nicht immer ein glückliches Händchen. Im Jahr 2000 kam er überraschend zu seinen ersten Formel-1-Einsätzen für das Team von Williams BMW. Die Begeisterung in Großbritannien kannte keine Grenzen mehr, um den damals 20-jährigen entstand ein regelrechter Hype. Dieser legte sich allerdings genauso schnell wieder, als Button Williams verlassen musste, da der Rennstall seine Option auf Juan Pablo Montoya einlöste. Button einigte sich daraufhin mit dem Benetton-Rennstall, der ihm jedoch kein konkurrenzfähiges Auto bieten konnte. Nach zwei Saisons für das von Renault übernommene Benetton-Team musste sich der Brite erneut nach einem Arbeitgeber umsehen und landete schließlich bei BAR Honda. Hier konnte er im Jahr 2004 mit Platz drei in der Gesamtwertung sein bisher bestes F1-Ergebnis verbuchen.

Danach folgte der wohl aufsehenerregendste Fehler in Buttons Rennfahrerkarriere: Williams gab den Vertragsabschluss mit Button für das Jahr 2005 bekannt, gleichzeitig bestand BAR jedoch darauf, ebenfalls einen für 2005 gültigen Vertrag mit dem Briten zu haben. Die FIA entschied schließlich, dass Button seinen Vertrag für BAR zu erfüllen habe - somit sollte sich die Rückkehr von Button zu Williams bis 2006 verzögern. Als es soweit war entschied sich Button jedoch trotz unterschriebenen Vertrags, bei BAR zu bleiben. Gerüchten zufolge soll er aus eigener Tasche dreißig Millionen an Williams gezahlt haben, um sich aus dem Vertrag herauszukaufen.  

Nachdem der Vertragspoker beendet war, fuhr Button drei weitere Saisons für das inzwischen ganz von Honda übernommene Team. Hier konnte er 2006 beim Großen Preis von Ungarn auch endlich seinen ersten Sieg feiern. Am Ende der Saison belegte er den sechsten Platz in der Gesamtwertung. In den beiden darauffolgenden Jahren konnte Honda kein konkurrenzfähiges Auto mehr bauen, die Finanzkrise erschwerte die Situation des angeschlagenen Teams. Im Dezember 2008 gab Honda schließlich bekannt, sich aus der Formel 1 zurückziehen zu wollen. Damit stand Button wieder einmal ohne Arbeitgeber da, das Ende seiner Karriere schien nah.

jensonbuttonNur Button selbst war nicht bereit aufzugeben. Unter der Leitung von Ross Brawn, dem ehemaligen Honda-Teamchef, entstand ein neues Team, das Brawn GP Formula One Team. Das seit 2007 entwickelte Auto BGP 001 erwies sich bereits in ersten Testfahrten als konkurrenzfähig und Button sah die Chance gekommen, endlich den Erfolg zu erreichen, den er sich so lange erhofft hatte. Wie ernst es ihm mit diesem Vorhaben war, wurde deutlich, als er auf sechs Millionen Euro Gehalt verzichtete und seine Reisekosten selbst übernahm, um dem Team die Teilnahme an der Formel 1 zu ermöglichen. Aus dem jungen, als Playboy verschrienen Partylöwen wurde ein ernsthafter Rennfahrer. In einem Interview sagte Button kürzlich: „Ich habe viel Kritik einstecken müssen und einen gewissen Teil dieser Kritik habe ich auch wirklich verdient, zumindest in dem frühen Teil meiner Formel-1-Karriere, als ich mich vielleicht nicht genug auf die wirklich wichtigen Dinge meines Jobs konzentriert habe." Dies scheint sich spätestens mit dieser Saison geändert zu haben, und der Erfolg gibt Button Recht. Zwar konnte das von Brawns Team entwickelte Auto mit sensationellen technischen Neuerungen wie dem Doppeldiffusor aufwarten, aber im Endeffekt ist ein Auto nur so gut wie sein Fahrer. Jenson Button konnte nach vielen zähen Jahren endlich sein Potential ausschöpfen und beweisen, dass die Vorschusslorbeeren, die er bereits zu Anfang seiner Karriere erhalten hat, mehr als gerechtfertigt sind. Man könnte es auch so ausdrücken: Nach zehn Jahren ist Jenson Button in der Formel 1 angekommen.

Auch im Jahr 2010 wird wohl mit Button und den „Brawnies" zu rechnen sein. Gerüchten zufolge plant Mercedes eine Übernahme des Brawn GP Teams. Bis 2012 soll der Autobauer 75 Prozent an Brawn halten. Neuer Teamkollege von Jenson Button soll dann Nico Rosberg werden.

Für den frisch gebackenen Weltmeister ist das alles im Augenblick jedoch noch Zukunftsmusik. Wie genau diese klingen wird, wird sich dann zeigen. Das musikalische Statement für den Moment lieferte Button direkt nach seinem Sieg selbst: Über das Helmmikrofon stellte er sein (ausbaufähiges) Gesangstalent mit dem Freddy Mercury-Hit „We are the champions" unter Beweis und gab damit den Startschuss zu einer weiteren denkwürdigen Party à la Button, laut, ausschweifend und vor allem flüssig. Jenson Button feiert noch immer gerne. Aber er hat gelernt, dass dem Erfolg harte Arbeit vorausgeht.

Im Moment genießt er  seinen Triumph, das Gefühl, endlich oben zu stehen, Weltmeister zu sein, am Ziel zu sein und an die Zukunft wird in diesen Tagen noch nicht gedacht: „Ich habe mit keinem Team ernsthaft wegen des nächsten Jahres gesprochen. Ich werde mit Brawn sprechen, wenn ich meinen Kater überwunden habe", so Button im RTL-Interview. Jenson Button ist ein humorvoller Mensch und ein ehrgeiziger Rennfahrer, der die Öffentlichkeit an seinem Leben und seinen Emotionen teilhaben lässt. Diesem sympathischen Rennfahrer wünscht man noch viele Erfolge!

(Text: Franziska Herr / Foto: Miriam Keilbach)

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