Sport 29.12.09
Text: Miriam Keilbach
Der back view Sportrückblick 2009
Auch das Jahr 2009 war wieder ein Sportjahr - mit dem deutschen Highlight Leichtathletik Weltmeisterschaft in Berlin. Aber auch eine Handball-Weltmeisterschaft, Fußballpokale, Skisprungwettkämpfe und Biathlonwettbewerbe mussten entschieden werden - nicht zu vergessen die Formel 1-Weltmeisterschaft. Unvergessen auch der Selbstmord von unserer Nummer 1 - Nationaltorwart Robert Enke. Der Sport-Rückblick 2009:
Handball
Das Jahr begann mit der Handball Weltmeisterschaft in Kroatien im Januar. Während Dominik Klein in unserem Interview noch davon sprach, den Titel verteidigen zu wollen, musste das deutsche Team um Heiner Brand schnell erkennen, dass diesmal nichts zu holen war. Frankreich besiegte Kroatien im Finale und wurde Weltmeister. Deutschland wurde in der Vorrunde zwar Gruppensieger, schied in der Hauptrunde allerdings aus. Unvergesslich die Bilder nach dem Spiel gegen Norwegen, das die Deutschen in letzter Sekunde verloren - und einem Nationaltrainer Heiner Brand, der mit geballter Faust auf die Schiedsrichter losging.
Die Schiedsrichter waren es, die in diesem Handballjahr im Zentrum standen. Von verschobenen Partien war die Rede, von manipulierten Bundesligapartien und einem manipulierten Champions League Finale. Im Zentrum: Das deutsche Aushängeschild im Handball, der THW Kiel. Während sie in der Bundesliga mit nur drei Verlustpunkten dominierten und die längste Siegesserie der Liga feierten, gab es immer mehr Medienrummel abseits der Halle: Zunächst das Wechsel-Wirrwarr um Welthandballer Nikola Karabatic, der sich dann doch in seine Heimat Frankreich zurückzog, um dort zu spielen. Dann der Betrugsskandal. Im Champions League Finale zeigte der THW Nerven - gegen Dauerrivale und Titelverteidiger BM Ciudad Real hatte er das Nachsehen.
Fußball
Die Fußballbundesliga - zu Beginn des Jahres 2009 wie auf den Kopf gestellt. Ganz vorn: Die TSG Hoffenheim. TSG Wer? Der Aufsteiger aus Baden überraschte Experten wie Laien gleichermaßen und kletterte mit jungem attraktivem Offensivfußball und finanziellem Rückhalt durch SAP-Mitgründer Dietmar Hopp zu Jahresbeginn an die Tabellenspitze. Auf Platz drei damals: Hertha BSC Berlin. Während die Berliner heute einsam im Tabellenkeller vor
sich hinkicken, stand uns damals ein sicher besser gelaunter Arne Friedrich Rede und Antwort über den plötzlichen Erfolg seiner Hertha und sein Amt als Kapitän.
Während Poldi sich dazu entschloss, nach einer glücklosen Zeit beim FC Bayern München wieder nach Hause zu kommen - was den erhofften Erfolg allerdings nicht brachte -, schmiss sein damaliger Noch-Verein den deutschen WM-Helden Jürgen Klinsmann als Trainer raus und holte mit Luis Van Gaal einen umstrittenen Nachfolger. Zwar schaffte der FCB es bis ins Achtelfinale der Champions League, dennoch ist der bisherige Saisonverlauf eher bescheiden.
Bescheiden könnte man auch die Lage bei der Hertha BSC (Tabellenletzter) und dem VfB Stuttgart bezeichnen, der nach der Entlassung von Trainer Markus Babbel gerade einen Abstiegsplatz verlassen hat - in der Champions League aber immerhin im Achtelfinale steht. Im Aufwind befinden sich dahingegen der jetzige Herbstmeister Bayer Leverkusen (noch keine Saisonniederlage) mit Ex-Bayern-Notfall-Trainer Jupp Heynckes. Ebenso wie der SV Werder Bremen, der 23 Mal in Folge nicht verlor. Erst Meistermacher Felix Magath, der den VfL Wolfsburg 2009 zum Meister machte, schlug die Bremer mit seinen Jetzt-Schalkern 2:0 im Weserstadion. Bremen hingegen kann sich nach einer verpatzten Saison 2009, in der sie aber immerhin den DFB-Pokal gewannen, darüber freuen, im Mai Dauerrivalen HSV Hamburg in vier Spielen in 19 Tagen degradiert zu haben. Uefa-Cup, Bundesliga und DFB-Pokal - am Ende rettete eine Papierkugel Bremen - und Hamburg war in allen drei Wettbewerben aus dem Titelrennen.
Das Fußballjahr war allerdings überschattet von einer Tragödie. Erst outete sich Sebastian Deisler in seinem Buch und erzählte vom Umgang der Mitspieler mit seiner Krankheit Depressionen. Während Deisler den öffentlichen Umgang wählte, wollte Nationaltorwart Robert Enke, die deutsche Nummer eins, nicht, dass jemand von seiner Krankheit erfährt. Zu viel Angst um die Karriere und um das Sorgerecht für seine Adoptivtochter. Als seine Krankheit nach drei Jahren Abstinenz in diesem Sommer zurückkam, warf er sich am 10. November 2009 kurz nach 18 Uhr vor einen Zug. Er starb und es entstand ein Kult, den keiner erwartete. 35 000 pilgerten nach einer Trauerfeier zum Stadion, 40 000 kamen, als im Hannoveraner Stadion der Sarg aufgebahrt war. Unvergessen die Pressekonferenz seiner Witwe Teresa, die einem Land erklären musste, warum ihr Mann den Tod dem Leben vorzog. Doch viel geändert hat sich nicht. Nicht langfristig. Auch wenn die Empörung groß und der Wille vorhanden war.
Wintersport
Im Skispringen dominierte 2008/2009 Österreich. Der junge Gregor Schlierenzauer führte die Konkurrenz vor: 2083 Punkte, 13 Weltcupsiege, 22 Podestplätze, kein einziges Mal die Top Ten verfehlt - noch nie gab es im Skispringen ein solches Ergebnis. Und auch die Vier-Schanzen-Tournee ging an einen Österreicher: Wolfgang Loitzl, Dienstältester im ansonsten recht jungen Team Austria, trumpfte groß auf. Die Krönung: Loitzl sicherte sich vor Schlierenzauer und dem Schweizer Simon Ammann den Weltmeisterschaftstitel im tschechischen Liberec. Unterdessen kündigte ein anderer sein Comeback an: Im November dieses Jahres kehrte Überflieger Janne Ahonen auf die Schanzen zurück. Fünfmal gewann er die Vier-Schanzen-Tournee, er ist Weltmeister und Weltcupsieger. Aber eines fehlte ihm noch: Die olympische Goldmedaille, die er sich in Vancouver 2010 holen will. Beim Altbewährten blieb man auch, was die Regeln angeht. Nachdem im Sommer neue Regeln getestet wurden, entschied sich der Internationale Skiverband FIS dennoch gegen die Neuerungen und für das alte System. Seit November springen sie nun wieder und ganz vorn liefern sich Gregor Schlierenzauer und Simon Ammann einen Kampf. Olympia kann kommen.
Während sich im Skisprung gern über Nachwuchs beschwert wird, zeigte uns Franziska Herr, dass dies im Biathlon nicht der Fall ist. Immerhin gewann Christoph Stephan in der vergangenen Saison seinen ersten Weltcup. Außerdem berichtete sie über die Belastungen, denen Biathleten im Laufe einer Saison ausgesetzt sind. Am Ende trotzte kein Deutscher den Belastungen: Ganz oben auf dem Podium fand sich ein altes Gesicht wieder - Ole-Einar Bjørndalen sicherte sich den sechsten Weltcupsieg seiner Karriere.
Auch in der Nordischen Kombination gab es Änderungen. Altmeister Hannu Manninen trat 2008 zurück - Saison 1 nach dem Finnen: mit neuem System und einigen Überraschungen. Sieben Mal siegte Anssi Koivuranta und konnte sich gegen den Norweger Magnus Moan durchsetzen. Dahingegen ist in dieser Saison ein Franzose ganz vorn. Schon viermal siegte Jason Lamy Chappuis, der zuletzt 2006 ganz oben auf dem Podest stand.
Formel 1
In der Formel 1 gab es zu Beginn der Saison neue Regeln, die noch vor Saisonbeginn wieder zurückgenommen werden mussten und neue Regeln, die technische Erneuerungen ermöglichten. Allgegenwärtig KERS, das Kinetic Energy Recovery System, ein Energierückgewinnungssystem. Davon profitierte zu Saisonbeginn vor allem Jenson Button im neu gegründeten Rennstall Brawn GP. Er dominierte die Rennen und wurde nach all den Jahren als „ewiges Talent" Weltmeister. Sebastian Vettel wurde Vizeweltmeister. Spannend dürfte das Jahr 2010 werden. Die Formel 1-Nachricht des Jahres: Michael Schumacher kommt zurück und wird zusammen mit Nico Rosberg im deutschen Mercedes antreten.
Leichtathletik
Im Sommer das Highlight des deutschen Sportjahres. Die Leichtathletik Weltmeisterschaft in Berlin. Vor Beginn der WM resümierte Cheftrainer Herbert Czingon über sein erstes Jahr im Amt und die Bedingungen, die die WM im eigenen Land zu einer erfolgreichen WM machen. Zudem sprach back view mit dem Stadionsprecher des Olympiastadions,
in dem die WM ausgetragen wurde. Und obwohl es ein Jamaikaner war, der das Event dominierte - Usain Bolt holte im 100 und 200 Meter Sprint Weltrekord - freute sich Deutschland mit der Weltmeisterin im Speerwurf, Steffi Nerius. Und mit den Silbermedaillen-Trägerinnen Nadine Kleinert (Kugelstoßen), Betty Heidler (Hammerwurf) und Jennifer Oeser (Siebenkampf), sowie mit Hochspringerin Ariane Friedrich, die Bronze holte.
Der Ausblick auf 2010
Auch im kommenden Jahr stehen viele sportliche Highlights an. Im Januar startet die Handball-Europameisterschaft in unserem Nachbarland Österreich. Im Februar die Olympischen Spiele in Vancouver. Und die Wiederauflage des Sommermärchens. Wir erinnern uns? „Die ganze Welt greift nach dem goldenen Pokal. Am Cup der guten Hoffnung probieren wir's nochmal. Wir als Gast in Südafrika. Wird unser Traum dann endlich war? 54, 74, 90, 2010, ja so stimmen wir alle ein. Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein werden wir Weltmeister sein."
(Text: Miriam Keilbach)
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Der amerikanische Blick auf Europa |
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