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Sport 15.03.10

Der, der im Mittelpunkt steht

Text: Franziska Herr

Schumi ist zurück und Ferrari wieder ganz oben - und doch alles ist anders
Nach seinem Rückzug aus der Formel 1 im Jahr 2006 genoss Michael Schumacher die neu gewonnene Zeit mit seiner Familie und fuhr einige Motorradrennen. Doch so ganz konnte er auch nach dem Ende seiner Karriere nicht von der Formel 1 lassen und stand der Scuderia Ferrari als Berater und Testfahrer zur Seite. Jetzt kehrt er mit 41 Jahren in die höchste Rennserie zurück.

Gut drei Jahre ist es her, dass Michael Schumacher seinen Abschied aus dem Formel-1-Zirkus erklärte. Für viele brach damit eine ferrarirote Welt zusammen, andere werden sich „na endlich" gedacht haben, vielleicht auch einige seiner Kollegen. Schließlich hat der Kerpener in 250 Formel-1-Rennen 91 Siege errungen. Diese bescherten ihm sieben Weltmeistertitel, allein fünf davon in Folge von 2000 bis 2004. Kein Wunder, dass sich eine gewisse Eintönigkeit und Langeweile bei manchen Zuschauern breit machte.

Mit seinem Rücktritt beendete Schumacher seine Ära als erfolgreichster F1-Fahrer aller Zeiten sowie auch die Dominanz der Scuderia Ferrari, gleichzeitig ebnete er aber den Weg für neue Fahrer, neue Grand-Prix-Sieger und neue Weltmeister. Dies sorgte für frischen Wind, den die Formel 1 zu diesem Zeitpunkt wohl nötig hatte. In den vergangenen drei Jahren gab es mit Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton und Jenson Button drei verschiedene Weltmeister und mit Sebastian Vettel schickte sich ein junger Deutscher an, in Schumis Fußstapfen zu treten. Als jüngster Pilot in der Geschichte gewann der Heppenheimer 2008 den Grand Prix im italienischen Monza. Seitdem ist der 22-jährige regelmäßiger Gast bei Siegerehrungen und wurde in der vergangenen Saison Vizeweltmeister hinter Jenson Button. Aufgrund seiner offenen und erfrischenden Art avancierte Vettel darüber hinaus in den letzten Jahren zum neuen Publikumsliebling, der neben seinen Fahrkünsten auch mit seinem verschmitzten Lächeln und seiner jugendlichen Unbekümmertheit bei Fans aller Altersklassen punkten kann. Es schien, als wäre der Generationenwechsel bei den deutschen Formel-1-Fahrern geglückt.

Im Juli vergangenen Jahres dann die Sensationsmeldung: Schumacher kehrt in die Formel 1 zurück! Der zu diesem Zeitpunkt 40-jährige erklärte, nach Felipe Massas Unfall im Ungarn-Grand Prix, dessen Cockpit zu übernehmen. Doch nur kurze Zeit später war klar: Daraus wird nichts. Die noch nicht vollständig kurierten Folgen eines Motorradunfalls und die daraus resultierenden Nackenprobleme machten die Comeback-Pläne des Rekordweltmeisters zunichte. Ein Rückschlag nicht nur für Schumacher, sondern vor allem für die Millionen euphorischer Schumacher- und Ferrari-Fans.

Doch Schumacher wäre nicht Schumacher, wenn er nach diesem ersten Comeback-Versuch kampflos aufgegeben hätte. Kurz vor Weihnachten letzten Jahres wurde bekannt, dass Schumacher um Auflösung seines Beratervertrags mit Ferrari gebeten hatte. Nur fünf Tage später, am 23. Dezember 2009, verkündete der Wahlschweizer seine Rückkehr in die höchste Motorsportklasse - jedoch nicht, wie immer wieder vermutet, in seinem Erfolgsteam Ferrari. Stattdessen präsentierte Schumacher einen Drei-Jahres-Vertrag mit seinem ehemaligen Erzrivalen bei der Scuderia, Mercedes Grand Prix. Schumacher ist also zurück in der Formel 1, aber nicht im vertrauten Rot, sondern ganz ungewohnt in Silber. Sein Teamkollege im Mercedes-Werksteam ist Nico Rosberg. Damit fahren erstmals in der Geschichte der Formel 1 zwei Deutsche für den gleichen Rennstall. Teamchef ist Schumachers alter Bekannter aus Ferrari-Zeiten, Ross Brawn.

Am vergangenen Wochenende stand nun das erste Rennen der Saison 2010 im Wüstenstaat Bahrain an. Bereits im Vorfeld zeichnete sich ein wahrer Hype um die Person des siebenmaligen Weltmeisters ab. Fototermine und Interviews wechselten sich mit unzähligen weiteren Presseterminen ab, jeder Schritt des Rückkehrers wurde akribisch verfolgt, jedes Wort begierig aufgezeichnet. Das Comeback des Rekordfahrers lässt alle anderen Teams, Fahrer und Neuerungen in den Hintergrund rücken. Nicht nur Teamkollege Rosberg und die anderen deutschen Fahrer werden dies in der kommenden Saison zu spüren bekommen. Sie werden mit konstant starken Leistungen um die Aufmerksamkeit kämpfen müssen, die Schumacher allein durch seine Anwesenheit zuteil wird.

Obwohl der Kerpener in seinem 251. Rennen nicht wirklich überzeugen konnte und nach einer mäßigen Qualifikation im Rennen am Sonntag hinter Teamkollege Rosberg auf Platz sechs landete, rissen sich die Medien um ein Statement des Zurückgekehrten. Dieses lautete bei RTL zunächst folgendermaßen: „Körperlich geht's mir gut und es hat viel Spaß gemacht. Der Start war sehr gut. Danach begann eine Odyssee, ein paar Kämpfe. Die Boxenstopps haben etwas Bewegung reingebracht." Schumacher ist mit diesem Ergebnis sicher noch nicht zufrieden und sieht noch viel Arbeit vor sich, allerdings wohl eher am Auto als an sich: „Die Vorderreifen sind sehr schmal und sehr klein. Zu meinem Fahrstil passt das nicht so gut, da muss ich noch viel tun."

Selbst Tagessieger Fernando Alonso musste zumindest in den deutschen Medien dem Rückkehrer Schumacher den Vortritt lassen, auch die Zusammenfassungen des Rennwochenendes drehten sich hauptsächlich um das Comeback. Felipe Massas zweiter Platz im ersten Rennen nach seinem Horrorcrash in Budapest im vergangenen Jahr und damit der Doppelsieg von Ferrari, der dritte Platz von Mc Laren Mercedes-Pilot Lewis Hamilton oder der beachtliche fünfte Platz von Schumachers Teamkollege Rosberg gerieten fast zur Nebensache. Statt ausgiebiger Präsentation der Erstplatzierten und Rennanalysen gab es nach dem eher langweiligen Rennen Liveberichte aus Berlin und Fan-Stimmen von den „Schumi-Partys". Die nach wie vor überwiegend in Rot gekleideten und geschminkten Fans feierten ihren Helden zum Teil wie nach einem Sieg; andere sehen für die nächsten Rennen noch deutliche Verbesserungsmöglichkeiten. An einem zweifelt jedoch keiner: Schumacher wird wieder eine zentrale Rolle in der Königsklasse des Motorsports spielen. Aufgrund seiner vergangenen Erfolge und seiner polarisierenden Art ist dies mehr als verständlich - ob er noch in der Lage ist, sportlich von sich reden zu machen, wird er erst beweisen müssen.



Teams und Fahrer 2010
:

Vodafone McLaren Mercedes:  Jenson Button (Großbritannien),  Lewis Hamilton (Großbritannien)

Mercedes GP:  Michael Schumacher (Deutschland), Nico Rosberg (Deutschland)

Red Bull Racing: Sebastian Vettel (Deutschland), Mark Webber (Australien)

Scuderia Ferrari Marlboro: Felipe Massa (Brasilien), Fernando Alonso (Spanien)

AT&T Williams: Rubens Barrichello (Brasilien), Nico Hülkenberg (Deutschland)

Renault F1 Team: Robert Kubica (Polen), Vitaly Petrov (Russland)

Force India F1 Team: Adrian Sutil (Deutschland), Vitantonio Liuzzi (Italien)

Scuderia Toro Rosso: Sébastien Buemi (Schweiz), Jaime Alguersuari (Spanien)

Lotus F1 Racing: Jarno Trulli (Italien), Heikki Kovalainen (Finnland)

Hispania GP: Karun Chandhok (Indien), Bruno Senna (Brasilien)

BMW Sauber F1 Team: Kamui Kobayashi (Japan), Pedro de la Rosa (Spanien)

Virgin Racing: Timo Glock (Deutschland), Lucas di Grassi (Brasilien)


(Text: Franziska Herr)

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