Sport 15.05.10
Text: Tobias Wieland
Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland
Schweden 1992. Die Dänen mischen Fußball-Europa auf, marschieren bis ins Endspiel der kontinentalen Wettkämpfe und besiegen dort sogar Weltmeister Deutschland mit 2:0. Dabei waren sie zunächst überhaupt nicht für das Turnier qualifiziert. Erst der Ausschluss Jugoslawiens infolge der Bürgerkriegsunruhen und des UN-Embargos ließ die Skandinavier nachrücken. Viele Legenden über Badelatschen, Big Macs und Barbecue ranken sich um diese Erfolgsgeschichte. Nicht jede von ihnen entspricht bis ins Kleinste der Wahrheit. Sehr real ist hingegen, was sich derzeit, acht Jahre später, abspielt.
Deutschland 2010. Bereits das Eröffnungsspiel setzte neue Maßstäbe. In der Arena auf Schalke sahen 77 803 Zuschauer die Begegnung zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland. Wer den 2:1-Erfolg der Schützlinge von Uwe Krupp als die Überraschung des Turniers betrachtete, sah sich schleunigst getäuscht. Denn es sind wieder die Dänen, die mit einem erfrischenden und forschen Auftreten den Großmächten eine Lektion erteilen. 4:1 gegen Finnland, die USA mit 2:1 besiegt und der Slowakei mit 6:0 in der Zwischenrunde eine schallende Ohrfeige erteilt. Allesamt Gegner auf höchstem Niveau.
Finnen und Slowaken standen sich bei Olympia in Vancouver im kleinen Finale gegenüber, die Amerikaner bestritten das Endspiel gegen Kanada. Großen Eishockeysport assoziierte man mit Dänemark hingegen bisher nicht. Derartige Schrecken verbreiteten die Rot-Weißen zuvor äußerst selten, noch nie standen sie im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft, jetzt sind sie aber kurz davor. Ein neues Husarenstück also von Danish Dynamite? Wie damals in Schweden?
Die Stimmung innerhalb der Truppe ist jedenfalls vergleichbar. Die Kopenhagener Zeitungen schreiben bereits vom Eismirakel. Und so langsam sollten die etablierten Eishockey-Nationen die Kufenkünstler um Peter Regin erst nehmen. Bislang tat dies nur die deutsche Auswahl, die dem nördlichen Nachbarn die bis dato einzige Niederlage im Turnier zufügte. Eine Revanche für die bittere Niederlage der Krupp-Schützlinge bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr, die zum Abstieg aus der A-Gruppe beigetragen hätte, wenn Deutschland heuer nicht Gastgeber wäre.
Und der Beweis, dass man das körperbetonte Spiel der Dänen annehmen muss. Austeilen statt unterschätzen, sollte die Devise gegen die Skandinavier sein. Das gilt auch für Favorit Russland, dem nächsten Gegner von Regin und Co. Die Russen liefen 1992 übrigens als Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) auf. Noch so eine einmalige Geschichte. Wobei den Dänen freilich keine Einmaligkeit, sondern die Wiederholung ihrer Erfolgsgeschichte vorschwebt. Sollte dies gelingen, dann waren bestimmt auch wieder Hamburger im Spiel.
(Text: Tobias Wieland / Foto: Lili Seidl by jugendfotos.de)
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Der amerikanische Blick auf Europa |
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