Sport
13.08.09
Text:
Steffi Geihs
Der Stadionsprecher der Leichtathletik-WMWenn am 15. August das „Herzlich Willkommen zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft" durchs Berliner Olympiastadion schallt, dann wird er dabei sein. Doch nicht als einer der 500.000 erwarteten Zuschauern. Nein, Florian Weber ist die Stimme der WM. Er gehört zum Team der sechs Stadionsprecher.
Nichts war geplant. Vielmehr geschah alles zufällig, unbeabsichtigt. Mit zwölf Jahren entdeckte Florian Weber seine Begeisterung für die Leichtathletik. Erst war er Mehrkämpfer, dann Hürdensprinter. Mit fünfzehn wurde er zum Vertreter der oberbayerischen Jugend gewählt. In dieser Funktion engagierte er sich für die Belange der Jugendlichen, war ihr Ansprechpartner und brachte Verbesserungen ein. Am wichtigsten erschien ihm eine attraktivere Gestaltung der Sportfeste. Statt der üblichen verstaubten Ansagen sollten Musik und peppige Moderationen für neuen Schwung sorgen. So wurden Wochenend-Workshops organisiert. „Teilnehmen konnte jeder und so machte ich einfach mal mit", erzählt er.
Und dann ging alles ganz schnell. Schon bei den Bayerischen Meisterschaften 2000 glückte dem damals Sechzehnjährigen sein erster Einsatz. So bekam er trotz seines jungen Alters beständig mehr Aufträge. Deutsche Jugendmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften, verschiedene Meetings, Europacup. Manche Möglichkeit eröffnete sich ihm unerwartet. Renommierte Kollegen fielen aus und Florian Weber nutzte seine Chance. Jede. Stets war er zur Stelle, stets einsatzbereit. Schon bald war er in der Leichtathletik-Szene eine geschätzte Persönlichkeit.
Dennoch war der Mann mit der markant-tiefen Stimme für die Welttitelkämpfe nur als Ersatz geplant. Eine Rolle, mit der er zufrieden war. Zumal ihn in Berlin ohnehin andere Verpflichtungen beschäftigen. Als Coordinator Event Presentation ist er für den reibungslosen Ablauf aus technischer Sicht verantwortlich. Ein Fulltime-Job.

Doch dann verkündete einer der beiden nominierten Sprecher seinen Ausstieg. Wer sollte ihn ersetzen? Die Wahl fiel auf Florian Weber. Aber der war alles andere als erfreut. Plötzlich hatte er zwei Aufgabenbereiche, die parallel vorbereitet werden mussten. „Ich hatte keine Ahnung, wie das gelingen sollte", gesteht er. Doch es gelang. Inzwischen ist alles gut organisiert. Dank seiner Assistenten kann er die Doppelbelastung meistern. Der Stress bleibt trotzdem enorm, dennoch: „Jetzt freue ich mich riesig!"
Schon seit Wochen ist der Oberschleißheimer in der Vorbereitungsphase. Wo immer es geht, sieht er sich Wettkämpfe an, verfolgt die Nachrichten, liest Interviews, prägt sich Bestenlisten ein und arbeitet Statistiken durch. Vor allem die deutschen Athleten beobachtet er genau und sucht das persönliche Gespräch, um ihnen noch das ein oder andere interessante Detail zu entlocken. Doch Auskünfte sammeln reicht nicht, Florian Weber muss auch alle Informationen aufbereiten, so dass ein schneller Zugriff auf das Wesentliche gewährleistet ist. Ein Mammut-Job.
Zusätzlich nimmt die Koordination mit allen sechs Akteuren viel Zeit in Anspruch. Die zwei Deutschen haben sich ihre Arbeit bereits aufgeteilt. Dirk Bartholomy ist für die Frauen zuständig, während Florian Weber alle Männerwettbewerbe kommentieren wird. Neben den beiden werden je zwei englisch- und französischsprachige Moderatoren dabei sein. Routinierte Leute, die bereits bei olympischen Spielen und verschiedenen anderen sportlichen Groß-Events mitgewirkt haben. Doch auch wenn sie viel Erfahrung mitbringen, ist der Aufwand gewaltig, alle Einsätze aufeinander abzustimmen. Wer spricht was, wann, wie viel und in welcher Reihenfolge? Schon seit einem Jahr laufen die Absprachen.
Jetzt wird es ernst. Einen ersten Test gab es bereits Anfang Juli, bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm. Das Berliner Team war für Durchsagen, Musikgestaltung und die gesamte Präsentation zuständig. Auch wenn es - verglichen mit der Größenordnung einer Weltmeisterschaft - nur ein Probelauf in ganz kleinem Rahmen war, so fällt das Resümee erfreulich aus: „Es hat super geklappt. Wir haben eine Menge positives Feedback bekommen, was viel Rückenwind für die kommenden Wochen bringt!"
Jetzt hofft Florian Weber auf gute sportliche Leistungen. Denn je besser die Athleten sind, desto einfacher ist es, als Ansager und Anheizer zu glänzen. „Wenn die Sportler die Zuschauer von den Sitzen reißen, dann haben wir leichtes Spiel. Aber bei miserablen Ergebnissen, bei Regen oder dergleichen, da wird es schwer, eine gute Stimmung in die Arena zu bekommen."

Und Lampenfieber? Diese Frage beantwortet er mit einem Lachen: „Klar, das gehört auch dazu." Ohne geht es nicht. Und das ist auch gut so, denn durch die Anspannung fällt es ihm leichter sich zu konzentrieren und auf seine Tätigkeit zu fokussieren. „Außerdem habe ich eh keine Schweißausbrüche, zittrigen Hände oder ähnliches. Bei mir ist es nur eine leichte Nervosität." Und die löst sich nach einigen Sätzen. Dann läuft's.
Nein, niemals hätte sich Florian Weber vor fünf Jahren träumen lassen, dass er jemals bei solch einer Großveranstaltung dabei sein könnte. Jetzt muss er an tausend Dinge zugleich denken. Zum Ausgleich für die anstrengenden Vorbereitungen geht er in seiner Mittagspause hin und wieder zum Schwimmen. Eigentlich würde er gerne am Leichtathletik-Training teilnehmen, doch dazu fehlt die Zeit. Leider. „Vor vier Wochen war ich mal wieder mit Spikes auf der Bahn", berichtet er, „dann juckt es schon wieder und ich würde am Liebsten richtig loslegen." Dennoch ist klar, dass er nicht tauschen möchte. Niemals. „Ich bin viel lieber Stadionsprecher als Athlet." Und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Das macht mir mehr Spaß. Und erfolgreicher bin ich auch noch." Wie richtig! Denn dort hat er geschafft, was er im Hürdenlauf wahrscheinlich nie erreicht hätte: eine WM-Teilnahme.
(Text: Steffi Geihs / Fotos: Website Florian Weber: emotions-in-motion.de)
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