back view Schrift

Sport / Wintersport 06.01.10

Österreichische Festspiele

Text: Miriam Keilbach

kofler8Andreas Kofler gewinnt Vierschanzentournee
Die Frage war weniger, welche Fahne am Ende der Vierschanzentournee gehisst wird, als vielmehr: Welcher Österreicher gewinnt die 58. Auflage des deutsch-österreichischen Traditionswettbewerbs? Denn mit Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer und Wolfgang Loitzl standen vor dem letzten Wettbewerb gleich drei Österreicher an der Spitze der Bewertung. Am Ende feierte Andreas Kofler sein Comeback.

Einige hatten ihn schon abgeschrieben. Andreas Kofer. In Willingen gewann er im Februar 2006 sein bisher einziges Weltcup-Springen. Doch plötzlich war er wieder da, in diesem Winter. Und verdeutlichte am 29. Dezember mit einem Sieg beim Auftaktspringen in Oberstdorf seine gute Form. Die Favoriten Gregor Schlierenzauer und Simon Ammann (Schweiz) weit unter Wert geschlagen. Dafür waren andere Österreicher zur Stelle: Morgenstern wurde nach einem bis dahin durchwachsenen Winter Dritter, Loitzl Vierter. Nur Janne Ahonnen, der sich nach seinem Comeback wieder in besserer Form befindet, störte die österreichischen Festspiele.

Und die Deutschen? Geschlagen, vernichtend geschlagen. Mit Martin Schmitt und Pascal Bodmer erreichten nur zwei überhaupt den Finaldurchgang. Und lediglich Bodmer, wie schon im ganzen bisherigen Winter, hält die Fahne hoch. Eine Last auf der Schulter eines 18-Jährigen, der am Ende immerhin Siebter in der Gesamtwertung wurde.

gregorschlierenzauer_sterreich_skispringen1Beim Neujahrsspringen sollte es Wiedergutmachung geben. Doch wieder waren es drei Österreicher unter den besten vier. Gregor Schlierenzauer machte nur wenige Punkte gut auf seinen Kollegen Andreas Kofler. Loitzl auf Rang zwei. Und auch Thomas Morgenstern (Neunter) und Stefan Thurnbichler (Zehnter) sprangen in die Top Ten. Damit waren die Hälfte der Plätze, inklusive dem Siegerplatz, an Österreich vergeben. Von den Deutschen kam keiner in die Top 15 an diesem Tag. Bodmer war erneut bester Deutscher und wurde 16. Michael Neumayer, am Tag zuvor als 31. ausgeschieden, 17. Immerhin kamen mit Andreas Wank (20.) und Martin Schmitt (25.) zwei weitere Athleten in den Finaledurchgang.

Wiedergutmachung auch bei den Norwegern, die mit Anders Jacobsen (Fünfter), Johan Remen Evensen (Siebter) und Björn Einar Romören (Achter) gleich drei Athleten in den Top Ten platzierten.

simonammann_schweiz_skispringenBei der dritten Station der Vierschanzentournee ging es in den Hexenkessel. Innsbruck - der erste Auftritt in Österreich in dieser Saison. Wen sie am meisten anfeuern? War ja egal, wer gewinnt. Hauptsache ein Österreicher steht oben. Und so war es auch, denn in Innsbruck kamen die Favoriten zurück. Schlierenzauer siegte vor Ammann und so wurde die Tournee, die Andreas Kofler bis dato überlegen angeführt hatte, doch noch einmal spannend. Die Deutschen hatten zwar weder mit dem Tages- noch mit dem Tourneesieg zu tun, dennoch platzierte sich Pascal Bodmer erstmals im Verlauf der 58. Auflage der deutsch-österreichischen Skisprungwoche in der Top Ten, mit einem achten Platz. Michael Uhrmann wurde 12. und erzielte damit ebenfalls sein bestes Tourneeergebnis. Und eine weitere erfreuliche Nachricht: Nachwuchsspringer Richard Freitag holte in Innsbruck seinen ersten Weltcuppunkt und wurde 30.

thomasmorgenstern_sterreich_skispringenDann Bischofshofen. Das Finale. Würde Andreas Kofler Nerven zeigen? Käme "Schlieri" zurück und würde die gut 15 Punkte Rückstand aufholen? Und auch Loitzl, Ammann und Ahonen lagen noch in Schlagdistanz mit etwa 20 Punkten Rückstand. Es war ein Sieger an diesem Tag, dem man das Siegen derzeit kaum zugetraut hatte. Es war so eine Art kleines Comeback von Thomas Morgenstern, dessen Anspruch nicht die Top Ten sondern die Top Drei ist. Schlierenzauer konnte dahingegen für keine Überraschung sorgen. Er sprang gleichweit wie Kofler, der damit zum ersten Mal die Tournee gewann und damit (den Österreicher) Wolfgang Loitzl ablöst. 

Auch die Deutschen hatten ein kleines versöhnliches Ende. Pascal Bodmer holte Platz neun, Michael Neumayer wurde 12., Michael Uhrmann 13. und Martin Schmitt sprang auf den 21. Rang. Das ist zwar, Bodmer ausgenommen, kein Ausrufezeichen, aber immerhin ein Lebenszeichen von der Nation, die dennoch noch immer auf Rang zwei in der Nationenwertung liegen - hinter - richtig - Österreich.

wolfgangloitzl_sterreich_skispringenWas ein Luxusproblem der österreichische Cheftrainer Alex Pointer hat. Im Februar sind die Olympischen Spiele in Vancouver. Mit Gregor Schlierenzauer (aktuell Weltcup-Zweiter), Andreas Kofler (Dritter),  Thomas Morgenstern (Vierter), Wolfgang Loitzl (Fünfter) und Martin Koch (Zwölfter) dürften die Teilnehmer für Österreich schon feststehen. Keine Chance für die stärker werdenden Stefan Thurnbichler (15. bei der Tournee), der bei der Tournee nach sehr guten Leistungen im Continentalcup, der zweiten Liga des Skispringens, erstmals wieder im Weltcup eingesetzt wurde, Mario Innauer (19.) und Lukas Müller, obwohl eine derartige Leistung im deutschen Team wohl zu einer Olympiateilnahme führen würde. Damit waren bei der Vierschanzentournee sogar die österreichischen Olympia-Reservisten Thurnbichler und Innauer besser als alle Deutschen - Pascal Bodmer ausgenommen.

Fast vergessen, die alten Zeiten, als Sven Hannawald bei der 50. Vierschanzentournee triumphierte und alle anderen Weltklassespringer in den Schatten stellte. Noch immer ist der Deutsche der einzige Springer, der alle vier Wettbewerbe einer Vierschanzentournee gewinnen konnte. Sowohl vor wie auch nach ihm kamen die Athleten immer auf maximal drei Siege, wie beispielsweise Vorjahressieger Wolfgang Loitzl, der lediglich einen Sieg in Oberstdorf verpasste. 

martinschmitt_deutschland_skispringen2Diese 58. Auflage war nicht die Tournee der Deutschen. Nachdem Deutschland zum Auftakt im Teamwettbewerb in Kuusamo überraschend auf Rang zwei landete (hinter - wem auch sonst - Österreich) konnte bisher nur Bodmer überzeugen. Dafür zeigen die Österreicher in ihrer Übermacht, wieviel Spaß Skispringen machen kann. Sie wissen, dass sie dem Sport nicht guttun, wenn die Podestplätze nur in rot-weiß-roten Reihen vergeben werden. Aber sie können ja auch nichts dafür, dass sie eine Klasse besser springen als der Rest - Simon Ammann und neuerlich Janne Ahonen ausgenommen.

Es sieht derzeit so aus, als wäre die Olympische Goldmedaille im Team schon vergeben. Wer sollte diese Übermacht schlagen? Im Einzel dürfte es dennoch spannend werden, Simon Ammann und Janne Ahonen haben ihre Ambitionen deutlich gemacht. Aber auch Kofler, Morgenstern, Loitzl und vor allem Schlierenzauer wollen ganz oben stehen - nicht nur als Team.


(Text: Miriam Keilbach / Fotos: Miriam Keilbach, Sabine Ihli, Sabrina Seidler)

Kommentare

B
i
u
Quote
Code
List
List item
URL
Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken

anzeige

 social networks 

   faceboook    twitter_    meinvz   

(c) 2010 back view