Gesellschaft / Zeitgeschichte 07.09.10
Text: Ronja Heintzsch
Doch wer an diesem Freitagabend nach dem Rechten schaute, dem bot sich ein erschreckendes Bild. Er blickte im wahrsten Sinne des Wortes der Tat „des Rechten" direkt in die Augen. Mit dem Rechten ist Gundolf Köhler gemeint, Geologiestudent und Täter des brutalen rechtsextremistischen Anschlags auf das Oktoberfest.
Bei dem Attentat kamen dreizehn Menschen ums Leben, zudem wurden 211 Personen teilweise schwer verletzt. Der Haupteingang des beliebten Oktoberfests, auf dem sich Hunderttausende Bayern, andere Deutsche und internationale Gäste alljährlich tummeln, wurde zum Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens.
Noch heute ist nicht eindeutig geklärt, wer tatsächlich Schuld an dem Attentat vom 26. September 1980 hat. Bekannt ist, dass Gundolf Köhler, angeblicher Einzelgänger, die mit TNT gefüllte Mörsergranate in einem Papierkorb nahe des sogenannten Tröpferlbads explodieren ließ. Getarnt in einem Feuerlöscher war sie zudem mit Nägeln und Schrauben gefüllt. Köhler suchte allerdings nicht das Weite, sodass die Explosion ihn ebenfalls mit in den Tod riss.
Einige der Opfer, die bei dem Attentat Familienmitglieder, Freunde und Angehörige verloren, sind sich heute noch im Unklaren darüber, wer tatsächlich die Schuld an dem Tod vieler Menschen trug. Da der damalige bayerische Innenminister Gerold Tandler schon zwei Tage nach dem Anschlag die Überzeugung hegte, Gundolf Köhler habe die Tat alleine begangen, wurden die Ermittlungen nach acht Monaten abgeschlossen und Ende 1982 eingestellt.
Kritiker weisen jedoch noch heute darauf hin, dass Zeugen unabhängig voneinander gegen die Theorie des Einzeltäters Köhler aussagten. Sie wollen Köhler vor der Tat mit zwei Personen in grünen Parkas sprechen gesehen haben. Zudem sei der Satz „Ich wollt‘s nicht, ich kann nichts dafür, bringt‘s mich um" wenige Minuten nach der Tat gehört worden. Jene Zeugenaussagen wurden im Schlussbericht des Generalbundesanwalts nicht erwähnt. Es wurde ebenfalls versucht, die Zeugen dazu zu bewegen, ihre Aussagen später zu revidieren.
Viele vermuten immer noch, dass Köhlers Attentat in Zusammenhang mit der rechtsextremistischen Vereinigung Wehrsportgruppe Hoffmann, der er angehörte, steht. Auch ist es möglich, dass der Attentäter vorher bereits Kontakt zu dem rechtsextremistischen Besitzer eines Waffendepots pflegte, der ihm den Sprengstoff möglicherweise anbot.
Da sowohl die Ermittler der Sonderkommission Theresienwiese, als auch das Innenministerium es nie für wichtig ansahen, den Fall abschließend zu klären, bleibt es offen, wer tatsächlich zur Rechenschaft gezogen werden müsste. Die Opfer des Attentats, das den traurigsten Punkt in der Geschichte des Oktoberfests markiert, leiden jedoch noch immer unter den Folgen der Explosion.
Heute erinnert ein Mahnmal die Besucher des Oktoberfests an den 26. September 1980. Erst im vergangenen Jahr gab es vermehrt Bombendrohungen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden deutlich verschärft - ein Abbruch des Volksfestes wurde allerdings nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Dennoch wird es wohl auch in diesem Jahr wieder Drohungen geben und damit wird auch die Angst vor einem Anschlag nicht zu verdrängen sein.
(Text: Ronja Heintzsch)
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