Weltenbummler / Norden 11.05.09
Text: Marcus Sonntag
Abenteuer Skandinavien - Tag 0: Vorbereitungen
Skandinavien ist immer eine Reise wert. Jeder hat ein Bild vor Augen, wenn er an Skandinavien denkt - endlose Weite, Fjorde, tiefe Wälder, Elche, raue Winter, Wohlstand, Sauna, Schlittenhunde, hübsche Frauen, seit einigen Jahren auch Pisa. Es hängt wohl immer von der befragten Zielgruppe ab und auch, ob der- oder diejenige schon mal in Norwegen, Schweden oder Finnland gewesen ist. Eins steht aber fest: mit seiner wilden Romantik und der von Abenteuergeschichten am Lagerfeuer immer wieder angeregten Aura von reiner Natur und Freiheit, steht Skandinavien wohl wie kein anderes Land im kontinentalen Europa für reinste Natur, unermessliche Größe und Schönheit.
Auf einem Erlebnis-Trip im Sommer 2004 wollte ich mir, gelenkt von meinen Klischees im Kopf, ein authentisches Bild von der schwedischen Wirklichkeit machen, abseits von Wasa-Knäcke und Wodka. Im Rahmen einer deutschlandweit einmaligen Studienfahrt sollte ich in einer Gruppe von 16 Abiturienten und einem Betreuer in zwei Wochen das skandinavische Festland kennen lernen - an zwei extrem gegensätzlichen Punkten: einem Aufenthalt in Stockholm und einer Trekkingtour nördlich des Polarkreises im Skandinavischen Gebirge. Dazwischen nicht viel mehr als 1300 km schwedische Schiene, mehrere Klima- und Vegetationszonen und 24 Stunden Zugfahrt.
Gut geplant ist halb gewonnen
In den Wochen zuvor hatte ich bereits angefangen, mir die benötigte Ausrüstung zusammen zu suchen. Zu den letzten Anschaffungen zählten ein frosttauglicher Schlafsack und ein Schweizer Taschenmesser, von dem ich mir in der skandinavischen Wildnis besonders große Dienste erhoffte. Es sollte sich herausstellen, dass ich ein wenig zu intensiv Jack London gelesen hatte und mich des nachts nicht gegen hungrige Wölfe und Bären behaupten musste.
Ich beschäftigte mich eher mit grundlegenderen Fragen - was packe ich wohin? Wie viele Paar Socken soll ich nun mitnehmen? Vielleicht doch am Essen sparen und dafür was kaufen? Fest stand, ich hatte nur 80 Liter Stauvolumen (auf meinem Rücken!) zur Verfügung und zwei Drittel der Reise würden in völlig menschenleerem Gebiet stattfinden. Das klärte so manches kulinarische oder modische Problem. Nach einer halben Stunde stand mir der Schweiß auf der Stirn, ich hatte Lust mein T-Shirt auszuziehen. Keuchend kroch ich in meinen Rucksack, um ein aufs winzigste gefaltetes Handtüchlein in die unterste Ritze zu stopfen - da ging noch was rein. Ohne Frage, Packen wollte gelernt sein und als ich fertig war, hätte ich meinen Rucksack am liebsten nie mehr ausgepackt. Er war zu einem 28kg schweren, steinharten Pfosten geworden, der beim Umfallen locker einen kleinen Hund erschlagen hätte. Toll, dachte ich mir, als ich mit diesem Teil auf dem Rücken nach Hause torkelte. Und dabei hatte ich wirklich nur das Nötigste eingepackt. Wie versprochen - wir würden in Gramm rechnen.|
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