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Gesellschaft / Zeitgeschichte 02.07.07

„Eppur si muove!" Berühmter Spruch von Galileo Galilei oder erfundener Trotz?

Text: Yvonne Milek

Mythos Galileo Galilei
„Eppur si muove!" Spätestens nach Berthold Brechts 1938 im dänischen Exil fertig gestellten Theaterstücks „Das Leben des Galilei" kennt jeder den berühmten Spruch von Galileo Galilei, der auf Deutsch „Und sie (die Erde) dreht sich doch!" bedeutet.
Doch stammt dieser legendäre Spruch wirklich von Galilei - oder von jemand Anderem? Oder wurde dieser Satz gar erfunden?

Galileo Galilei, italienischer Mathematiker, Physiker und Astronom, (*1564 (Pisa), †1642 (Arcetri bei Florenz)) befasste sich während seines Mathematik-Studiums (1581-1585, Pisa) mit Kopernikus 1543 veröffentlichtem Werk „De revolutionibus orbium coelestium" („Von den Umdrehungen der Himmelskörper"). Seiner Theorie zu Folge war nicht die Erde der Mittelpunkt des Universums, wie es das geozentrische Weltbild vorher Jahrhunderte lang lehrte, sondern die Sonne. Des Weiteren behauptete er, dass die Erde um die Sonne kreist. Galilei übernahm diese Auffassung, nachdem er mit Hilfe seines nachgebauten (nicht erfundenen!) Fernrohrs die Behauptung beweisen konnte.

Galilei veröffentlichte Schriften wie „De motu" (1589, „Über die Bewegung") und „Sidereus nuncius" (1610, „Nachricht von neuen Sternen"), die auch von einigen Kardinälen in Rom gelesen wurden. Diese sahen „Sidereus nuncius" als Bestätigung des kopernikanischen Weltbilds (heliozentrischen Weltbilds) an. Dies widersprach dem geozentrischen Weltbild des Ptolemäus und der Heiligen Schrift (10. Buch Josua: „Sonne, zu Gibeon stehe still, und Mond, verharre im Tal Ajjalon!"), die von der Kirche so interpretiert wurde, dass die Sonne und der Mond um die Erde kreisen.

Von dem Dominikaner Caccini wurde Galileo Galilei im Winter 1614 in einer Predigt öffentlich angegriffen und der Inquisitionsbehörde gemeldet. In Rom versuchte Galileo die Lehre des Kopernikus zu verteidigen, jedoch wurde er dabei von den Kardinälen nicht unterstützt. 1616 wurde die Lehre des Kopernikus verboten. Galilei musste seine Meinung ändern, sonst hätte ihm eine Anklage gedroht. Ab dieser Zeit beschäftigte er sich gezwungener Maßen vor allem mit seinen Aufgaben als Hofmathematiker in Florenz (Großherzogtum der Toskana). Er schrieb „Saggiatore" (1623, „Prüfer mit der Goldwaage") und begann nach der Benennung des Kardinals Maffeo Barberini 1623 zum Papst Urban VIII mit seinem Werk „Dialoga sopra i due massimi sistemi" (1630, „Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme"), da er wieder Hoffnung für die Anerkennung des Weltbildes von Kopernikus schöpfte. Sein Werk handelte von Weltsystemen. In diesem Buch ließ er seine eigenen Ansichten von der Person Salviati erklären, Sagredo stellte interessiert Fragen und die dritte Person Simplicio verteidigte einfältig das geozentrische Weltbild. Bereits 1632 wurde der Druck und Verkauf des Werkes durch die Druckerei Landini in Florenz verboten, da Galilei die ihm vorher auferlegten Änderungen am Werk nur ungenügend berücksichtigt hatte.

Im Oktober 1632 wurde Galilei zum Inquisitionsgericht gerufen. Ab 1633 begann der Prozess in Rom. Dort wurde ihm unterstellt, dass er das 1616 ausgesprochene Verbot, über die Lehren des Kopernikus zu berichten, übertreten hatte. Galilei entfernte sich von seinem Werk „Dialogo" und vom kopernikanischen Weltbild. Er behauptete, seit 1616 den Lehren des Kopernikus niemals angehangen zu haben. Am 22.6.1633 musste er dies alles noch einmal schwören, um so der Todesstrafe entkommen zu können. Seine Strafe war stattdessen ein lebenslanger Hausarrest, den er in Arcreti bei Florenz bis zu seinem Tode 1642 verbüßte. Beim Rausgehen aus dem Inquisitionsgericht soll Galileo Galilei anschließend die Worte „Und sie bewegt sich doch" gemurmelt haben.

Einer anderen Legende zufolge soll er diese Worte im Kerker gesagt haben. Nachdem er seine Auffassungen zum kopernikanischen Weltbild widerrufen hatte, soll er der Legende nach beim Aufstehen im Kerker auf die Erde gestampft und den Spruch gerufen haben.

Bereits nach der Verurteilung verbreiteten sich die „Worte Galileis" in der Öffentlichkeit. Sie wurden erstmals 1645 auf einem Gemälde des spanischen Malers Bartolomé Esteban Murillo für die Ewigkeit hinterlassen, welches Galilei in einem Kerker darstellt. Des Weiteren lässt sich der Satz in den Schriften „Italian Libraries" 1757 von Giuseppe Baretti und „Querelles littéraires" 1761 (Paris) von dem französischen Schriftsteller Abbé Augustin Simon Jrailh (Irailh?) finden. Jedoch ist dieser berühmte Spruch weder in den Prozessakten des Inquisitionsverfahrens, noch in Galileis eigenen Briefen und Schriften zu finden.

Doch das Galileo Galilei diesen Satz jemals gesagt hat, ist ziemlich fragwürdig. Einige Kritiker behaupten, dass der Satz von einer anderen Person gesagt und dann Galilei in den Mund gelegt wurde. Andere behaupten, dass der Spruch in den Zeiten des Realismus rein erfunden wurde, um den Trotz des Galileis zu verdeutlichen.

Viele behaupten, dass in Wirklichkeit der Satz „Eppur si muove" von dem italienischen Philosophen Giordano (Filippo) Bruno ((*1548 (Nola), †1600 (Rom)) stammt. Auch er war Anhänger des kopernikanischen Weltbildes, jedoch ging er einen Schritt weiter. Während Kopernikus der Meinung war, dass sich die Erde um die Sonne drehte und somit die Sonne das Zentrum des Universums war, betrachtete Bruno das Universum als eine unermessliche Unendlichkeit, ohne Mittelpunkt, erfüllt von vielen Sternen und Sonnen. (Er übernahm den Gedanken des Nicolaus Cusanus und entwickelte diesen weiter). Wegen seiner Gedanken wurde er 1592 verhaftet. Bruno weigerte sich von seinem Standpunkt abzukommen und wurde nach siebenjähriger Untersuchungshaft durch die päpstliche Inquisition zur Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Nach der Verkündung seines Urteils soll er zum Heiligen Offizium „Mit größerer Furcht verkündigt ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme" gesagt haben. Am 17.02.1600 in Rom wurde er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Somit starb er als Märtyrer. Nach Meinung einiger sollen seine letzten Worte auf dem Scheiterhaufen „Und sie bewegt sich doch" gewesen sein. Auch hier sind die letzten Worte des Brunos wieder fraglich, denn angeblich wurde ihm auch die Zunge vor seiner Hinrichtung festgebunden, damit er nicht zum Volk sprechen konnte...

Andere behaupten, dass die Worte „Eppur si muove" frei erfunden wurden. Demzufolge stammt der Spruch wohl aus der Zeit der Aufklärung. Man wollte sich einen Galileo schaffen, den sie in ihrer Zeit gerade benötigten. Entweder den Märtyrer der Wissenschaft, der vor lauter Trotz nach der Abschwörung den Satz gemurmelt hat oder auch den zerstreuten Helden. Vielleicht war der Astronom gar nicht der trotzige, alte Wissenschaftler, was uns Bücher aus der damaligen Zeit gerne weiß machen würden. Er äußerte sich wahrscheinlich nur in so fern, dass sein Status als Wissenschaftler nicht darunter litt und er andererseits die Kirche nicht allzu sehr provozierte.

Die Zeit der Aufklärung (17. und 18. Jahrhundert) ist ein Emanzipationsprozess, der darauf abzielt, allein auf dem Glauben an Autoritäten beruhende Denkweisen anzuzweifeln, kritisch zu hinterfragen und neue Antworten zu suchen.

Vermutlich wird man nie beweisen können, dass der legendär gewordene Satz „Eppur si muove" den Lippen Galileo Galileis entsprungen ist - aber auch nie, dass der Spruch nicht von ihm stammt. Somit bleibt es jedem selbst überlassen, was er gerne glauben möchte.


(Text: Yvonne Milek)

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