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Weltenbummler / Osten 30.07.08

Pekingente und die Verbotene Stadt

Text: Katrin Kircheis

Ein Blick auf Chinas Hauptstadt
Zwei Schlagwörter, die einen ins Gedächtnis kommen, handelt das Thema von Peking. Seit 2001 ist die Hauptstadt der Volksrepublik China aber auch der Olympischen Sommerspiele wegen in aller Munde, dessen Austragungsort sie dieses Jahr sein wird. Der Name der über dreitausend Jahre alten Stadt bedeutet „Nördliche Hauptstadt". Nicht immer war Peking blühende Metropole, wie sie es heute ist. Die Machthaber wechselten häufig, Peking wurde zerstört und wieder aufgebaut.

Das Verwaltungsgebiet Peking bildet kein zusammenhängendes Stadtgebiet, sondern wird dominiert von Vorstädten und ländlichen, kleinen Provinzen. Hier leben auf einem Gebiet von rund 16.800 Quadratkilometern in etwa 15,5 Millionen Menschen. Auf einer mit Thüringen vergleichbaren Fläche leben in Peking damit jedoch siebenmal so viele Einwohner. Das eigentliche Stadtgebiet umfasst 7,7 Millionen Menschen, was der Einwohnerzahl von Israel, der Schweiz oder Kairo entspricht.
Peking hat eine grandiose Lage in der chinesischen Provinz Hebei, 110 Kilometer nordwestlich des Gelben Meeres, einem Teil des Chinesischen Meeres und wiederum eine Einbuchtung des Pazifiks. Umgeben vom Mongolischen Plateau gehört es zur dicht bevölkerten Nordchinesischen Tiefebene. Dieser strategisch schon 1000 v. Chr. gut ausgewählte Standort ließ Peking, unter verschiedenen Namen, früh zu einem Handelszentrum mit den Mongolen, Koreanern und Stämmen in Zentralchina werden. Einst diente Peking auch als wichtige Militärbasis zur Verteidigung Nordchinas, nicht zu vergessen der Ausgangs - bzw. Endpunkt der berühmten Seidenstraße, über die auch Marco Polo reiste und die heute bestehende Verbindung nach Russland über die Transsibirische Eisenbahn.
Um Peking herum siedelten sich weitere große, oft Satellitenstädte, an. Beispiele sind Shunyi, wo sich der internationale Flughafen befindet, oder Fangshan mit dem weltberühmten Fundort des Pekingmenschen, einer vor 40.000 Jahren ausgestorbenen Menschenart. Diese Stelle gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe.
Wer sich länger als drei Tage in der Stadt aufhalten will, muss sich beim Amt für öffentliche Sicherheit melden und registrieren lassen. Man erhält daraufhin eine zeitweilige Aufenthaltsgenehmigung von drei Monaten, die auch verlängert werden kann. Reiseveranstalter bieten deshalb oftmals nur einen dreitägigen Aufenthalt in Chinas Hauptstadt an. Kaum Zeit, um sich all die Prachtbauten vergangener Zeiten anzuschauen. Auch wenn Mao und die kommunistische Regierung, um Symbole früherer Regimes zu tilgen, von ehemals 8.000 Tempeln und Denkmälern nur magere 150 die neue Stadtplanung überleben ließen. Auch die ehemaligen die Altstadt umgebenden Stadtmauern, 15 Meter hoch und 25 Kilometer lang, wurden niedergerissen und durch Hauptverkehrsstraßen ersetzt. Immerhin blieben einige Stadttore erhalten.

Weltkulturerbe und Platz des Himmlischen Friedens
Peking wurde in früheren Zeiten als Abbild des Kosmos und der Welt geplant, verkörpert wird dies durch die drei rechteckigen Hauptbezirke: die Kaiser-, Innere und Äußere Stadt. Die Kaiser- bzw. Verbotene Stadt ist wohl eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten. Wie der Name vermuten lässt, war sie ursprünglich nicht zugängig für das einfache Volk. Heute kann man hier den ehemaligen Kaiserpalast besichtigen, der 24 Kaisern als Residenz diente. Im Palastmuseum Gugong hat man die Möglichkeit, eine Reihe von riesigen Hallen und Einzelpalästen zu begehen. Die Touristenattraktion liegt inmitten eines Parks mit vielen kleinen Seen und wird von einer Mauer umgeben. 1987 erklärte die UNESCO die Verbotene Stadt zum Weltkulturerbe.
Weiterhin bekannt ist der Tian´anmen-Platz, der „Platz des Himmlischen Friedens" im Zentrum der Stadt ist gleichzeitig mit 40 Hektar Fläche der größte öffentliche Platz der Welt und bietet Raum für bis zu einer Million Menschen. Seine heutige Größe erhielt er nach der Machtübernahme der Kommunisten, die ihn jedes Jahr für große Feierlichkeiten und Kundgebungen nutzen. Umrahmt wird der Tian´anmen-Platz von der Großen Halle des Volkes, dem Sitz der chinesischen Nationalversammlung, auf der einen und dem Museum zur chinesischen Geschichte und Revolution auf der anderen Seite. Das Denkmal für die Helden des Volkes und Mao Zedongs Grab beherrschen seine Mitte. Im letzten Jahrhundert fanden geschichtlich wichtige Ereignisse an diesem Ort statt. So forderten 1919, sieben Jahre nach Gründung der Republik China, Studenten erstmals Demokratie und Liberalismus, 1935 gab es zur Zeit des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges antijapanische Proteste, 1966 leiteten insgesamt acht bühnenreife Massenaufmärsche mit jeweils einer Million Rotgardisten die Kulturrevolution ein. Am meisten in Erinnerung, nicht zuletzt wegen der kürzlich neu aufgekommenen Tibetdebatte, bleibt jedoch der 4. Juni 1989. Fast eine Millionen Demonstranten, vorwiegend Studenten und Arbeiter, versammelten sich gegen das schleppende Tempo der Reformerneuerungen, Freiheitsmangel und Korruption. Die Regierung verhängte daraufhin das Kriegsrecht, die friedlich demonstrierende Demokratiebewegung wurde vom chinesischen Militär blutig niedergeschlagen, tausende Zivilisten kamen dabei ums Leben.

Tempel und Gräber
Zu den wichtigsten der heute noch stehenden Tempel gehört der Himmelstempel Tiantan. In der Halle der Ernteopfer, ein Gebäude mit kreisförmigem Grundriss auf einer dreistufigen Marmorterrasse aus dem 15. Jahrhundert, betete der Kaiser jedes Jahr für eine reiche Ernte. Ebenso bedeutend sind der Konfuziustempel von 1306 und der Lamatempel mit der Halle des unendlichen Glücks, in der sich eine 18 Meter hohe aus einem einzigen Sandelholzbaum geschnitzte Buddhastatue befindet. Sie war einst ein Geschenk des 7. Dalai Lama an den damaligen Kaiser. Unter Kublai Khan, der Peking nach der Plünderung von Dschinigs Khan wieder aufbaute und zudem Gastgeber Marco Polos war, entstand durch Leitung eines nepalesischen Künstlers der Tempel der Weißen Pagode. Seit 1961 steht er auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.
Darüber hinaus sind die Gräber der Kaiser der Mingdynastie sehenswert, die man über eine mit marmornen Löwen, Elefanten, Kamelen und Pferden gesäumte Allee erreicht, und das Alte Observatorium, die erste Sternwarte unter Kublai Khan im 13. Jahrhundert. Auf einer Stadtrundfahrt dürfen der kaiserliche Sommerpalast, die Ruinen des Alten Sommerpalastes sowie die größten christlichen Kirchen (die Nördliche, Östliche, Südliche und Westliche Kirche) nicht fehlen. Zu den neueren Bauwerken zählt der Fernsehturm von 1992, der mit 400 Metern 32 Meter höher als der Berliner Fernsehturm ist, und die Central chinese Television Headquarters, die 2008 fertig gestellt werden sollen. Die Marco-Polo-Brücke, eine steinerne Bogenbrücke aus dem 12. Jahrhundert, erhielt ihren Beinamen, weil Marco Polo sie in seinen Reisebeschreibungen erwähnt. Mittlerweile hat Peking auch einige Parks und Grünanlagen vorzuweisen, so den Nordmeerpark und natürlich den berühmten Zoo mit einem interessanten Aquarium.
An Theatern, Konzerthallen, Museen und Universitäten mangelt es dem politischen Zentrum Chinas ebenso nicht, so dass man in punkto Kultur und Bildung fast jeden zufrieden stellen kann. In letzter Zeit eröffneten viele private Galerien. Besonders hervorzuheben ist vielleicht das ehemalige Sprachinstitut, an dem heute über drei Viertel der Studenten Ausländer sind, die Chinesisch studieren.

Das "neue" China
Bei der neueren Stadtplanungspolitik des nach Shanghai zweitgrößten Industriezentrums des Landes beging man jedoch schwerwiegende Fehler. Ähnlich wie Moskau entwickelte sich Peking in Form von Ringen und Ringstraßen, was häufig zu Staus führt. Ein großer Teil der traditionellen Hofhäuser wurde durch Neubauten ersetzt, da man diese als Brutstätten für Individualisten sah. Gegenwärtig wird, auch in Hinsicht auf die bevorstehenden Olympischen Sommerspiele, saniert, unmoderne Fabriken werden geschlossen, Freiflächen aufwändig begrünt. Peking nimmt damit eine Vorreiterrolle bei der Umgestaltung des Landes ein, es zeigt Chinas Weg in die Moderne. Öffentliche Verkehrsmittel sind zahlreich, doch wird für die Olympiade noch einmal ordentlich nachgerüstet. Das Fahrrad wird als beliebtes innerstädtisches Verkehrsmittel immer mehr vom privaten PKW verdrängt. Um einer anhaltenden Luftverschmutzung, dem Verkehrsstau und Fahrraddiebstahl entgegen zu wirken, will man bis Ende 2008 ein Netz von Fahrradmietstationen mit 50.000 Fahrrädern zur Verfügung stellen. Doch nicht nur Luftverschmutzung und Verkehrsbelastung stellen ein Umweltproblem dar, es gibt auch Probleme mit verdreckten Flüssen und bei der Trinkwasserversorgung. Seit den neunziger Jahren gibt es Gesetze zur Mülltrennung, die ersten Erdgasbusse kamen 2003 zum Einsatz.

Vorbereitungen auf Olympia
Für Olympia 2008 investierte man nun massiv in die sportliche Infrastruktur. Das Arbeiterstadion von 1959, was zum zehnjährigen Jubiläum der Volksrepublik China errichtet wurde, war bereits ein Monumentalbauwerk an sich, wurde aber noch einmal von 70.000 Zuschauerplätzen auf  90.000 ausgebaut.
Im Olympic Green hat man das Olympische Dorf erbaut sowie zahlreiche neue Sporteinrichtungen. Man versuchte, auf eine Harmonie zwischen dem Bau und der Umwelt zu achten, indem man erneuerbare Energien nutzen wird, sowie Wasseraufbereitungs- und Solaranlagen auf den Dächern einbaute. Die Hälfte des Dorfes besteht aus Grünflächen. Es ist 66 Hektar groß und enthält 42 sechs- und neunstöckige Wohnhäuser, die Platz für 16.000 Sportler und Offizielle bieten. Im Anschluss wird es von 7.000 Teilnehmern der Paralympics genutzt werden. Die Musterwohnungen mit 170 Quadratmetern, zwei Badezimmern und kleinem Balkon sind für sechs Personen gedacht und zudem mit Internet und Alarmanlagen ausgestattet.
Neben dem neuen Nationalstadion ist das Schwimmzentrum der zweite Hauptschauplatz. Der riesige Würfel ist 80.000 Quadratmeter groß, bietet 12.000 Zuschauern Platz und ist damit die größte Schwimmhalle der Welt. Eine Spezialfirma verkleidete die Außenkonstruktion mit einer schillernden, schmutzabweisenden und isolierenden Folie. Hier finden die Wettbewerbe im Schwimmen, Synchronschwimmen, Kunst- und Turmspringen statt.
Der Entwurf und die Planung des Nationalstadions ist dem schweizer Architekturbüro zu verdanken, welches auch schon die Münchner Allianz Arena designte. Das extravagante Bauprojekt zeichnet sich durch seinen kreisförmigen Grundriss und das verschlungene Stahlgerüst aus, was an ein riesiges Vogelnest erinnert. Um weitere Ausgaben gering zu halten, strich man das geplante, bewegliche Schiebedach. Trotzdem betrugen die Baukosten unglaubliche 325 Millionen Euro. Die 91.000 möglichen Zuschauer werden also unter freiem Himmel sitzen. Das Stadion selbst wird durch 40.000 Quadratmeter ETFE-Folie (UV-durchlässig, transparent, leicht) vor Regen, Sandstürmen und Schnee geschützt. Im Nationalstadion werden die Eröffnungs- und Schlussfeiern, die Leichtathletikwettbewerbe und das Finale des olympischen Fußballturniers stattfinden. Man hofft, es wird einmal für Peking das, was der Eiffelturm für Paris ist. Zusammen mit der Schwimmhalle besitzt das Nationalstadion eine metaphorische Bedeutung: Kreis und Quadrat symbolisieren in China Himmel und Erde.

Viele, viele Sportstätten
Hinzu kommen das Nationale Hallenstadion für die Handball-, Geräteturn- und Trampolinturnwettbewerbe, mit 19.000 Plätzen die größte Halle der Olympiade 2008, das Olympic Green Messezentrum mit 270.000 Quadratmetern Fläche, eine Hockeyanlage, die nach den Spielen wieder abgebaut wird, eine Bogenschießanlage und ein Tenniszentrum mit zehn Wettkampf- und sechs Trainingsplätzen. Die Zuschauerplätze werden, wie weltweit üblich, nach solchen großen Sportveranstaltungen reduziert. Einige Sportarten, wie teilweise Fußball und Segeln, müssen aus organisatorischen Gründen außerhalb Pekings stattfinden, die Reiterwettbewerbe werden aus Quarantänegründen in Hongkong durchgeführt. Peking - eine Stadt der Gegensätze. Jahrtausende alte kulturelle Schätze treffen auf neuzeitliche Wohn-Wolkenkratzern. Aufstrebende junge Studenten, die hier ihr Glück versuchen, traditionelle Teppichknüpfer und Jadeschnitzer, die ihr Glück schon gefunden haben.

(Autorin: Katrin Kircheis)

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