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Weltenbummler / Süden 07.09.09

Von der Schulbank unters Wellblech

Text: Vera Heilmann

vera 1cEin Jahr in Panamá Teil I
Vera Heilmann nimmt sich eine Auszeit und verlässt Deutschland für ein ganzes Jahr. back view berichtet über ihre Erfahrungen und spannenden Geschichten. Der letzte Schultag ist vorbei, die Zeugnisse sind verteilt und alle freuen sich auf entspannte Ferien. Für Vera Heilmann beginnt allerdings jetzt erst der Stress.


Der Abflug nach Panamá ist nur noch wenige Stunden entfernt. Am Münchner Flughafen habe ich erst einmal erfahren, dass ich anstatt der 20 Kilogramm Gewicht sogar zwei Mal 23 Kilogramm mitnehmen hätte dürfen.  Naja, dafür kann ich dann auf dem Heimflug nach Deutschland doppelt so viel mitnehmen. Beim ersten Zwischenstopp in Madrid habe ich die restlichen deutschen, ungarischen, französischen, norwegischen, isländischen und italienischen Austauschschüler getroffen. Schon das war wahnsinnig spannend. Stunden später kamen wir schließlich gemeinsam in Panama City an. Vollkommen fertig wurden wir direkt in unser Hotel gebracht. Wenn man überhaupt von einem „Hotel" sprechen kann - es war vielmehr ein Haus mit zwei Schlafräumen à 80 Betten. Auch die Duschen und Klos sahen nicht so aus, als ob man sie noch benutzen könnte.
vera 1Schnell bekamen wird das Lateinamerikanische Klima zu spüren: es ist wirklich unglaublich heiß, schwül warm. Man kann es mit einer Sauna vergleichen, nur nicht ganz so heiß. Aber schwitzen muss ich trotzdem genau so viel. Zum Glück regnet es jeden Tag einmal. Auch wenn es dann mit den Blechdächern auf den Häusern sehr laut wird, frischt es dadurch wenigstens etwas auf.

Nach zwei Tagen wurden wir dann in unsere jeweiligen Städte gefahren - ich nach Arraiján. Der erste Eindruck auf der  Fahrt war beeindruckend. Überall Müll, Wellblechhütten, Palmen, dunkelhäutige Menschen und alles sieht einfach etwas chaotisch aus. Aber ich bin trotzdem total begeistert. Auch an das Klima habe ich mich erstaunlich schnell gewöhnt. Die Gastfamilien haben uns alle sehr herzlich empfangen. Die meisten haben sogar angefangen vor Freude zu weinen. Auch meine Familie stand mittendrin, mit einem riesigen Schild mit meinem Namen darauf. Mein Gastvater hat sofort angefangen, mit Spanisch beizubringen. Ich konnte ja vor der Reise noch absolut kein Wort - gut, eines schon: Hola. Meine Gastmama lacht total niedlich, was mich dann auch sofort zum Lachen bringt. Wir haben uns also irgendwie auch ohne Worte schon verstanden. Auch mit meiner panamanesischen Schwester hatte ich richtig Glück. Sie hat mich sofort als richtige Schwester in die Familien aufgenommen.

vera 1bMein erster Besuch in einem Supermarkt war etwas verwirrend. Überall haben Kinder gearbeitet, was in Deutschland unvorstellbar und sogar verboten wäre. Unvorstellbar war für mich auch die wahre Größe des Hauses meiner Gastfamilie. Am Telefon war die Rede von einem GROßEN HAUS - leider sieht die Realität anders aus. Das gesamte Haus ist ungefähr doppelt so groß, wie mein Zimmer in Deutschland. Aber so sieht eben nun einmal ein typisches Panama-Haus aus. Irgendwie niedlich. Mein erstes Tief kam dann allerdings, als ich meinen Koffer ausgepackt habe. Es war zwar alles total spannend und schön, aber es ist schon schwierig, wenn mich hier in der Familie absolut keiner versteht. Ich muss mich einfach so viel wie möglich hinsetzen und Spanisch Pauken.

Meine Gastschwester hat sich gestern fünf Mal geduscht und drei Mal die Kleidung gewechselt - das ist hier anscheinend vollkommen normal. Duschen sollte ich wahrscheinlich auch etwas näher beschreiben: dahinter verbirgt sich ein großer und ein kleinerer Eimer mit Wasser, den man sich über den Kopf schüttet. Zum Glück bin ich zeltlagererprobt, deshalb ist es zumindest bis jetzt noch kein Problem für mich.


(Text und Fotos: Vera Heilmann)

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