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Gesellschaft / Menschen 20.04.11

„Nein, ich bin nicht bei Facebook"

Text: Julia Radgen

tt_back_viewÜber ein Leben ohne Social Networking
Für viele gehören sie zum Alltag - für die meisten ist es Routine, sie mehrmals täglich abzurufen - für einige sind sie bereits zur Sucht geworden. Die Rede ist nicht von E-Mails, sondern von Social Networks, die mittlerweile allgegenwärtig sind und vor denen sich kaum mehr jemand retten kann.

Allein das größte Soziale Netzwerk, Facebook, hat nach eigenen Angaben fast 600 Millionen angemeldete Nutzer weltweit. Laut Facebook loggen sich 50 Prozent der aktiven User jeden Tag in das Netzwerk ein und der Durchschnittsuser hat 130 Freunde. Angesichts dieser Zahlen, erscheint es als Rarität, in keinem Sozialen Netzwerk angemeldet zu sein. Und doch gibt es solche Ur-Menschen, wie Mark, 24 (Name und Alter von der Redaktion geändert),  die sich gegen das Social Networking wehren und in keiner Plattform ein Profil angelegt haben. Er ist kein Internet-Boykotteur. Er nutzt es regelmäßig, um sich zu informieren oder via Instant-Messenger mit seinen Freunden zu chatten. Doch gegen eins wehrt sich Mark vehement: eine Mitgliedschaft in einem sozialen Netzwerk.

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wollte wissen, wie es sich ohne Facebook, StudiVZ und Co. lebt und, ob er das Gefühl hat dadurch etwas zu verpassen. Das sieht Mark nicht so: „Wichtige Dinge, die mich interessieren und, die ich wissen will, bekomme ich auch so mit", meint der Student. In den Social Networks würden seiner Meinung nach sowieso viele Oberflächlichkeiten ausgetauscht und statt Informationen gebe es „dummes Geschwätz". Das sei wie Small Talk in der realen Welt, meint der 24-Jährige und darauf verzichtet er liebend gern.

Das war jedoch nicht immer so. Mark war fünf Jahre lang im StudiVZ angemeldet und nutzte die Plattform regelmäßig, wenn auch nicht exzessiv. Im vergangenen Jahr tat er, was momentan bei Usern zum Trend wird: Er löschte sein Profil im Studentennetzwerk. Gründe gab es für ihn mehrere. Zum einen sei der mangelnde Datenschutz ausschlaggebend gewesen. „Es wurde immer mehr durch die Medien bekannt, dass Daten der Nutzer verkauft wurden und selbst die privaten Nachrichten gespeichert wurden", meint der 24-Jährige. Er habe in dieser Zeit viele Medienberichte darüber gelesen und die Situation verfolgt. Zum anderen wurde ihm immer klarer, dass das Verfolgen von Pinnwänden, Fotos und Statusmeldungen eine große Zeitverschwendung sei. „Man vergeudet damit Zeit, die man anderweitig nutzen kann", so Mark. Diese Bedenken hätten sich bei ihm im Laufe der Zeit entwickelt und führten schließlich 2010 dazu, dass er das Profil löschte. Doch fehlt ihm wirklich nichts?

Mark meint ganz klar Nein. Er habe nicht das Gefühl, dass er etwas verpasse oder Kommunikation unter Freunden ihn nicht erreiche. Es passiere ihm allerdings öfter, dass andere ihn dazu bringen wollen, sich bei Facebook und Co. anzumelden. "Viele wollen einen überreden, dass man sich in Social Networks anmeldet", erzählt Mark, er habe auch schon Einladungen per E-Mail geschickt bekommen. Einen gewissen gesellschaftlichen Druck oder Gruppenzwang erkenne er auf jeden Fall, „dem ich aber nicht nachgeben werde", ergänzt er entschlossen. Darüber hinaus gäben sich viele Benutzer in den Social Networks anders als sie sind und sich im normalen Leben verhalten würden. Dies schreibt Mark der „Maske des Anonymen" zu, hinter der sie sich im Internet  verstecken können. „Sehr viele präsentieren sich dort selbstdarstellerisch, das ist mir zuwider."

Dass diese Netzwerke die persönlichen Daten ihrer User preisgeben und verkaufen, ist für ihn inakzeptabel. „Ich bin mir bewusst, dass damit ein Geschäft betrieben wird", betont er. Die generelle Idee des Social Networkings sei „vielleicht gar nicht mal schlecht", denn man könne auf schnellem Wege miteinander kommunizieren, die Nachteile überwiegen für ihn allerdings. Laut Facebooks eigenen Angaben verbringen dessen User insgesamt über 700 Milliarden Minuten pro Monat auf der Plattform. Marks Appell an übermäßige Facebooknutzer lautet deshalb, lieber raus zu gehen - das wahre Leben zu genießen - und es nicht mit „schwachsinnigen Oberflächlichkeiten" zu verschwenden.

Vielleicht ist es keine schlechte Idee, wenn man sich bewusst macht, wie viel Zeit man auf Facebook und Co. verbringt, damit man nicht irgendwann da sitzt, wie in der Schlussszene des Films „The Social Network": Ständig mit dem Finger auf der F5-Taste, um zu sehen, was sich im virtuellen Leben tut, während das reale an einem vorbeizieht.


(Text: Julia Radgen)

Kommentare

avatar Philo
+3
 
 
Mark (24) hat's verstanden.
Und ich (24) auch.

Der immerwährende Unterschied zwischen bewusst lebenden Menschen und "stumpfen Mitläufern".
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avatar HeiBe
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Und ich (21) auch. Und ich kann sagen: Es hat sich gelohnt.
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avatar AV
+1
 
 
Endlich normale Leute.

Ich (26) werde mich in Zukunft nicht bei solchen SocialNetworks anmelden, genausowenig wie ich es in Vergangenheit getan habe.

Leute mit denen ich befreundet bin habe ich im realen Leben genügend - und die sieht man, im Gegensatz zu diesen Internetbekannt schaften, auch regelmäßig.

Und wie Mark es bemerkt hat, kann man seine Zeit auch sinnvoller verbringen.
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avatar Susanne
+3
 
 
Ich (27) halte nichts von diesen "sozialen" Netzwerken.
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avatar robert
+3
 
 
Ich (27) bin auch nicht bei facebook, kämpfe aber damit micht nicht anzumelden weil ich doch das gefühl habe die anderen langweilen sich interessanter. freut mich dass es menschen in meinem alter gibt, die es auch nicht bei fb gibt. bitte weitersagen. iwan geht der trend zurück und leute werden sich freiwillig dort abmelden.
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avatar Mia
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Auch ich (17) führe ein Leben ohne Facebook!
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avatar Trissiboy
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Dito. dafür allen *Daumen Hoch*^^
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avatar Leo78
+1
 
 
Ich (34) bin auch nicht bei Facebook. Natürlich, auf der einen Seite habe ich schon manchmal das Gefühl, dass die Kommunikation im Freundeskreis etwas an mir vorbei geht, weil inzwischen fast alle meiner Freunde facebooken, von daher habe ich schon mehrmals überlegt, mich doch anzumelden. Aber auf der anderen Seite widerstrebt es mir der Kontrollwahn von Facebook. Man sollte sich im Klaren sein, dass man alle Rechte an den Bildern, die man hochläd, abtritt. Facebook kann damit praktisch machen was sie wollen und natürlich ist Facebook ein gewinnorientier tes Unternehmen, dass vom Verkauf der Daten lebt. Und jetzt mit dieser Timeline sieht man praktisch alle Daten auf einen Blick und das geht mir definitiv zu weit!
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avatar DerTypDerSichDerTypNennt
0
 
 
War ca. 2Jahre auf Facebook und danach ca. 1,5Jahre auf Facebook angemeldet... Und ich habe mich gegen Social Networks entschieden, da man entweder nur auf schwachsinniges Gerede stößt oder auf Kommentare von "Freunden" auf die man gerne verzichtet hätte... Ich bin Gesellschaftlic h immer noch auf der gleichen Ebene oder sogar besser dran wie davor ! Ich kann gut darauf verzichten und fühle mich besser und vorallem fühle ich mich nicht so, als hätte ich etwas verpasst.... Und da ich keinem Social Network angehöre ist dass schon wieder etwas "besonderes" :) ich sage schafft den Ausstieg bevor es sich zu einer Sucht entwickelt! Und es wird sich lohnen!
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avatar Dan Low
+1
 
 
Es gibt ca 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Wenn 600 Millionen bei Facebook angemeldet sind, dann sind es 6,4 Millarden eben nicht. Das beruhigt mich. Und ich bleibe mit Sicherheit einer der letzteren. Ich war auch ne Zeit lang bei MeinVZ. Habe es aber schließlich auch gelöscht. Von mir gibt es so wenig wie möglich im Internet zu finden. Diese ganze Soziale Netzwerk Kram interessiert mich privat überhaupt nicht. Beruflich wiederum sehe in den Netzwerken sehr viel potenzial ... Privat bleibt es für mich ein No Go. Ich bin mir sicher das ein sehr großer Teil der User in 10, vielleicht 20 Jahren es extrem bereuen werden das Sie Ihr leben derart veröffentlich haben (Timeline) ... was jetzt ist, ist nur die Spitze des Eisbergs. Alle die, die Selbstdisziplin haben und auch das Durchhaltevermögen gegen diesen enormen gesellschaftlic hen Gruppenzwang anzukämpfen werden irgendwann damit belohnt, das Sie noch etwas besitzten, was die anderen nie wieder bekommen: Privatsphäre und des recht auf Anonymität. Etwas das nach der Meinung von Mark Zuckerberg ja "nicht mehr zeitgemäß ist..." ... und einem Mann der so eine Einstellung vertritt vertrauen quasi Millionen Ihr ganzes Leben an.

verrückte Welt
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