Weltenbummler / Westen 10.02.10
Text: Diana Lutz
Eine Hommage an das Land KanadaDas zweitgrößte Land der Erde hat gerade einmal um die 33 Millionen Einwohner. In der Provinz Alberta leben beispielsweise auf einer Fläche, die fast doppelt so groß ist wie Deutschland, nur etwa 3,4 Millionen Menschen und davon ballen sich allein fast zwei Millionen nur in den zwei größten Städten Edmonton und Calgary oder in deren direkter Umgebung. Wer allein sein will, kann das also sehr einfach.
Kanada hat alles Vorstellbare an Natur. Da sind die rauen Küstengebiete im Osten und Westen, wo das Meer das Leben bestimmt. Und da sind Regen- und Urwälder, wie etwa auf Vancouver Island. Die Rocky Mountains sind wohl eine der bekanntesten Regionen; mit Seen und riesigen Waldgebieten ziehen sie jedes Jahr Millionen Touristen an.
In der Mitte des Landes, in Alberta, Manitoba und Saskatchewan, stehen etliche Getreidefelder. Neben Gebirgszügen gibt es noch die riesigen Tundragebiete und große Nadelwälder im Norden, zum Beispiel in den Yukon oder Northwest Territorien oder in Nunavut, wo besonders im Winter unwirkliche Bedingungen herrschen und Temperaturen von Minus 50 Grad Celsius erreicht werden.
Ganz im Süden, wo die Provinz British Columbia an die USA grenzt, gibt es sogar Wüstengebiete. Dort finden sich Tai Ginseng Felder, Weinhänge und Pfirsiche und Aprikosen können geerntet werden. Man könnte auch meinen, man sei in der Toskana. Allein in der Provinz British Columbia sind im Sommer innerhalb kürzester Zeit Temperaturen bis beinahe Null Grad im Norden möglich, während im Süden über 30 Grad gemessen werden.
Es gibt menschenleere Regionen, in denen man zur nächsten Stadt mehrere Stunden mit dem Auto fahren muss und, in denen die Wälder so dicht und riesig sind, dass Kleinflugzeuge, die abstürzen, für immer verschwinden.
Naturerlebnisse der besonderen Art sind die Polarlichter, die in den Wintermonaten zu beobachten sind und die in unglaublichen Farben den Himmel färben. Ein Naturerlebnis der eher unangenehmen Art sind die Moskitos, denen man im Sommer kaum entkommt. Europäische Sprays oder Ähnliches wirken nicht. Es sollten also kanadische Produkte benutzt werden. Trotzdem können sie die Lagerfeuerromantik empfindlich stören, wobei Kanadier die Moskitos meist ignorieren und versuchen, sich nicht so sehr von ihnen belästigen zu lassen.
Und dann sind da natürlich noch die Tiere, die auch ein Wahrzeichen Kanadas sind. Bären, Elche, Hirsche, Weißkopfseeadler, Rentiere, Wölfe, Berglöwen aber auch Wale, Lachse und alle möglichen Fischarten. Die Tiere sind ein fester Bestandteil des täglichen Lebens, besonders auf dem Land. Da ist die Wildnis ist nie weit weg. Es kann dann schon einmal passieren, dass vor dem Haus ein riesiger Elch steht. Oder dass das Heulen der Koyoten die Nachbarschaft eine Nacht lang wach hält.
Um die Natur zu schützen gibt es in Kanada 43 Nationalparks und über 100 National Historic Parks and Sights, aber auch Provincial Parks.
Diese Nationalparks oder Provincial Parks sind bei Touristen als auch bei Einheimischen beliebte Ausflugsziele, denn Kanadier lieben das Campen. Also wird freitags oft das Zelt eingepackt, sowie alle möglichen Utensilien für ein gelungenes Wochenende draußen. Die Fleischvorräte werden aufgefüllt, die Kühlbox und der Grill eingepackt und es geht für einige Tage in die Natur.
Der Kanadier an sich ist sehr naturverbunden. Tagsüber wird gewandert, im See gebadet oder etwas fürs Abendessen geangelt und abends ist er dann glücklich in einer netten Runde am Lagerfeuer, mit einem leckeren Steak oder gerilltem Fisch und mit selbstgebrautem Bier. Alkohol ist nämlich teuer in Kanada, also brauen sich viele Menschen ihr Bier selbst, mit einer Trockenmischung, die dann angesetzt wird. Das ist nicht nur lecker, sondern auch stark, denn das Bier kann schon einmal 10 Prozent haben.
Kanada ermöglicht es einem so zu leben, wie man will und die Lebensweisen der Menschen sind teilweise sehr gegensätzlich. Neben der Bevölkerung, die normalen Berufen nachgeht und in Orten und Städten lebt, trifft man auf urige Wildnis-Typen wie aus dem Bilderbuch, die sehr naturverbunden leben und dem Klischee eines Trappers voll entsprechen.
Natürlich gibt es auch Stadtmenschen in Kanada und die, die mit der Natur weniger anfangen können, sind in den Städten bestens versorgt. Denn auch Kanadas Städte sind Besuchermagneten. Ganz im Westen liegt Vancouver, in der Provinz Alberta befinden sich Edmonton und Calgary und weiter im Osten Montreal, Toronto oder Ottawa. Jede Stadt hat ihre Besonderheiten.
Bei der Fahrt in jede Stadt kommt man aber zuerst an unzähligen Fastfood-Restaurants vorbei. Wer bummeln will, muss noch nicht einmal durch eine kalte, zugige Fußgängerzone gehen, denn in den meisten Städten gibt es Shopping Malls. Eine der größten Malls der Welt steht in Edmonton, in der Provinz Alberta, mit über 800 Geschäften, einem Wasserpark mit Riesenwellenbad und dem größten Indoor-Vergnügungspark der Welt, Kinos und Restaurants. Einkaufen ist sowieso ein Erlebnis in Kanada, besonders im Vergleich zu Deutschland. Wer einen kanadischen Supermarkt betritt, ist wie in einer anderen Welt. Die Auswahl ist so groß, ähnlich den amerikanischen Supermärkten, allein die Süßwarenregale übertreffen bespielsweise alle Vorstellungen.
Die Kanadier sind ein sehr freundliches und offenes Völkchen. Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen ist schon auffällig und weckt Wohlbefinden. Gerade in Geschäften wird sofort gefragt, ob die Verkäuferin einem behilflich sein kann. Wer aus Versehen mit seinem Einkaufswagen gegen einen anderen fährt, bekommt auch von der anderen Person eine Entschuldigung. Und im Supermarkt stehen an den Kassen meist zwei Personen, die eine Person liest die Ware ein, die andere Person packt den Einkauf in Einkaufstüten. Wenn nur eine Kassiererin dort ist, packt diese den Einkauf in die Tüten und alle Kunden warten in Ruhe und mit Geduld, bis es weiter geht. Es wird nicht gedrängelt und man muss auch nicht seinen Einkauf in Rekordtempo vom Band in seinen Einkaufswagen räumen oder so schnell wie möglich bezahlen, nur weil der Nächste schon drängelt.
Es ist sowieso immer Zeit für das übliche „How are you?" und einen kurzen Small-Talk, besonders ,wenn erkannt wird, dass man aus dem Ausland kommt. Dann wird vielleicht noch erzählt, dass der Großvater auch aus Deutschland kam und in der Familie gern Bratwurst gegessen wird. Apropos Bratwurst: Man hat auch schon gehört, dass Kanadier die Würstchen vorn in den Motorraum eines Snowmobils legen, denn, wenn sie dann gemütlich durch die Wildnis gefahren sind, können sie am Ende die fertig gegrillten Würstchen genießen. Wer in ländlicheren Gegenden spazieren geht, wird gegrüßt, einfach so, obwohl man die Person, die vorbeifährt, gar nicht kennt. Aber es kann einem auch mitten in der Stadt passieren, dass die Autos langsamer fahren, damit man beim Joggen nicht anhalten muss, sondern beim Überqueren der Straße weiterlaufen kann - und das ohne Zebrastreifen.
Es ist also nicht nur die unglaubliche Natur und die grandiose Landschaft, die Kanada zu einem Erlebnis machen; es sind auch die Menschen, die einen Kanadaurlaub prägen und einem das Gefühl geben, gern wieder zurückkommen zu wollen.
(Text: Diana Lutz / Fotos: Diana Lutz)
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