Weltenbummler / Westen 25.07.10
Text: Wiebke Meeder
Wiebke über ihren Madrid-Aufenthalt
Die Seminare glichen hingegen durchgängig sehr trockenen Vorlesungen, was allerdings unter Umständen recht hilfreich sein könnte, sofern man der spanischen Sprache noch nicht so ganz mächtig war. Zuhören und Mitschreiben - damit hatte ich im ersten Monat definitiv genug zu tun. Und dann wollten da noch bedeutend mehr Texte gelesen werden, als ich es von meiner Heimatuni kannte. Die Prüfungsleistungen waren zumeist eine Kombination aus Klausur und Hausarbeit. Wer in der Lage ist, sich viel schnell in die Rübe zu pressen, sollte sich allerdings wegen des Bestehens der Kurse keine Sorgen machen müssen. Die Hausarbeiten sollten jedoch unbedingt von einem Muttersprachler Korrektur gelesen werden, andernfalls fordert man das Schicksal schon sehr heraus - Ausnahmen für Erasmus-Studis gibt es nämlich so gut wie gar nicht. Doch genug von der Uni, ich soll schließlich die Metropole beschreiben!
Zudem ist unbedingt erwähnenswert, dass ein Spaziergang durch die barrios den Eindruck vermittelt, Madrid sei nicht nur „die Hauptstadt", sondern bestehe vielmehr aus einem Mosaik verschiedener Städte. Vom Tapas-Viertel La Latina, wo jeden Sonntag der sehenswerte Flomarkt El Rastro stattfindet über die Museumsmeile mit dem Prado und dem Thyssen-Museum (nein, das hat nichts mit Stahlwerken zu tun), vorbei am Sol, dem ewig pulsierenden Herz der Stadt, von dem aus alle Straßen Spaniens radial vermessen werden (unbedingt auf den Kilómetro Zero stellen und ein Foto machen!) hin zum Homo-Viertel Chueca, wo jeden Abend die kleinen Clubs bis zum Bersten gefüllt sind: das alles ist Madrid.
Nicht zu vergessen sind die kulinarischen Köstlichkeiten, die unter anderem im Mercado de San Miguel, gleich am Plaza Mayor, angeboten werden. Von Schinken (jamón) über Paprikasalami (chorizo) führen einen die Marktstände vorbei an Tapas in jeder Variation, Meeresfrüchten, Wein, queso manchego und noch vielem mehr. Falls sich an der Weinbar ein Pläuschchen ergeben sollte, kann man sicher sein, im Anschluss mit in einen Club zum Feiern geschleppt zu werden - das Feiern dauert in Spanien weit länger als in Deutschland üblich, vor 9.30 Uhr in der früh braucht ihr also an ein Bett gar nicht erst denken. Nach dem Tanzen und Feiern nimmt man traditionsgemäß einen Abstecher in einer Churreria vor, in der (der Name weist schon darauf hin) teuflisch leckere und fettige churros (ein Spritzgebäck, dass man sich in etwa wie Schmalzringe vorstellen kann - nur dünner und besser) in mächtige Schokoladensoße getunkt werden. Dieses „Frühstück" vertreibt schon prophylaktisch den Kater, wenngleich der Speckring um die Hüfte proportional zu der Anzahl verspeister Kringel wächst.
Und auch für den Naturfreund bietet Madrid einen Schatz - den Parque de Retiro. Neben einer der weltweit äußerst rar gesäten Luzifer-Statuen kann man hier im Rosengarten herumturteln, auf dem See in einem Boot umher paddeln oder aber einfach mit einem Eis in der Hand im Schatten chillen.|
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